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VORWORT
Als drittes Buch der Reihe Schicksalsanalyse wurde die Veröffentlichung einer «Schicksalstherapie» unter dem Titel «Erziehung und Behandlung der Triebe» geplant. Die Durchführung dieses Planes mußten wir einstweilen aufschieben.
Seit dem Erscheinen der «Experimentellen Triebdiagnostik» (1947) wurden ausgedehnte Triebforschungen mit unserer Methode fast ausschließlich auf dem Gebiete der Psychopathologie und Psychiatrie durchgeführt. So sahen wir uns gezwungen, zunächst eine systematisch aufgebaute spezielle Triebpathologie herauszugeben.
Durch Einsicht in die Notwendigkeit setzten wir uns folgende drei Ziele:
Erstens legten wir nach wiederholter Überprüfung der empirischen Ergebnisse die Grundelemente einer exakten menschlichen Triebpsychologie nieder. Dies vor allem, um weiteren Mißverständnissen und Fehldeutungen in bezug auf das Triebsystem der Schicksalsanalyse und die Triebdiagnostik vorzubeugen.
Zweitens versuchten wir, im Anschluß an die gegenwärtige D«z/epsychiatrie eine tiefenpsychologische JWVepsychiatrie aufzubauen, um für die gesunde Weiterforschung auf diesem Gebiete eine bodensichere Grundlage zu schaffen.
Im ersten Band dieses Buches wurde die Lösung dieser zwei Aufgaben versucht.
Drittens wird im ^weiten Band die Psychologie und die Pathologie des bewußten Ichs mit denen des unbewußten Ichs ergänzt, um die unsichtbaren Wege der Seele, welche zu Aufbau und Prägung eines normalen oder abwegigen Charakters, einer neurotischen Komplexwelt oder psychotischen Wahnwelt führen, experimentell durchleuchten zu können.
Mit diesem zweiten Teil unserer Arbeit hoffen wir die Kluft, die zwischen der Psychiatrie des Bewußten und der des Unbewußten unnötigerweise vertieft wurde, zu überbrücken.
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Die gegenwärtige Krise in der Psychopathologie und Psychiatrie entstand bekanntüch durch den tiefen Riß, den Sigmund Freuds Trennung des Bewußten von dem Unbewußten vor einem halben Jahrhundert zur Folge hatte. Durch diesen verhängnisvollen Riß wurde zum ersten Male unableugbar bloßgelegt, daß die Psychiatrie in der Vergangenheit fast ausschließlich eine Bewußtseins- und Z)i»/épsychiatrie war, daß es aber neben dieser Denkpsychiatrie auch eine völlig andersartige, tiefere Psychiatrie gibt: die JhV^psychiatrie.
Die offizielle Denkpsychiatrie verfolgt und prüft die psychotischen Erscheinungen nur, soweit sie sich in den Bewußtseinsvorgängen manifestieren. Das heißt: als Störungen der Empfindungen und Wahrnehmungen, der Vorstellungen und Assoziationen, des Denkens und Gedächtnisses, der Orientierung und Aufmerksamkeit, der Affektivität und Stimmungen. Ihre Patienten werden Geistes-kranke genannt, als ob der Geist erkranken könnte.
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