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Christoph K. Neumann - Türkei [antikvár]
 
Zu Gast in der Türkei »Kommt in mein Zelt!« Der Hirte, der uns den Durchlaß im Dornenverhau um die alte Karawanserei geöffnet hat, bietet uns einen Platz auf den bunten Teppichen an. Seine junge Frau hockt in Pluderhosen vor einer niederen Tischplatte, walzt aus Mehlteigkugeln mit einem langen Rundstab hauchdünne Teighäute aus. Die halbmetergroßen Fladen hochschleudern, mit dem Stab auffangen und paßgenau auf die gewölbte heiße Ofenplatte niederfallen lassen - Handgriffe, die jedesmal unfehlbar gehngen. Auf der Flamme einer...
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Zu Gast in der Türkei »Kommt in mein Zelt!« Der Hirte, der uns den Durchlaß im Dornenverhau um die alte Karawanserei geöffnet hat, bietet uns einen Platz auf den bunten Teppichen an. Seine junge Frau hockt in Pluderhosen vor einer niederen Tischplatte, walzt aus Mehlteigkugeln mit einem langen Rundstab hauchdünne Teighäute aus. Die halbmetergroßen Fladen hochschleudern, mit dem Stab auffangen und paßgenau auf die gewölbte heiße Ofenplatte niederfallen lassen - Handgriffe, die jedesmal unfehlbar gehngen. Auf der Flamme einer Gasflasche siedet Wasser für den Tee. Zu den ofenwarmen Fladen wird uns Honig, Schafskäse und frische Butter gereicht. Schafe blöken, ein mageres Pferd ist neben Bekir Akkayas Zelt angepflockt. Nachher fotografieren wir ihn mit seiner Frau und dem Töchterchen unter dem nachtblauen Himmel im Mondlicht. Adressen werden getauscht. Im Finstern finden wir zurück zum Wagen, sind eine halbe Stunde später wieder in der lichterglitzernden Touristenwelt von Antalya, der »lachenden Schönen des türkischen Südens«. Anatolien ist das Land, wo der Fremde noch Gast ist. Szenen spontaner Gastfreundlichkeit haben hier nicht den Seltenheitswert wie an anderen mediterranen Küsten. Doch das kann im Zeichen eines Jahr um Jahr anschwellenden Touristenstroms sehr schnell anders werden. In den neuen Feriendörfern und den Drei-Sterne-Hotels an den anatolischen Sonnenstränden wird der Urlauber als zahlender Kunde begrüßt, und das natürlich auch, weil er selbst so auftritt: im Bewußtsein seiner starken Währung und mit dem Anspruch auf mitteleuropäischen Komfort. Wer Anatolien kennenlernen will, tut allerdings gut daran, sich auch einmal auf türkische Lebensart einzulassen und möglichst vorurteilsfrei die Begegnung mit den Menschen dieses großen Landes zu suchen, das mit seinen 780 000 Quadratkilometern dreimal so groß wie die Bundesrepubhk ist. Zwischen Ägäis und dem eisigen Gipfel des Ararat — türkisch: Agri Dagi, mit 5165 Metern höher als jeder Alpengipfel - wirkt Anatolien auf uns noch viel größer, als es den Quadratkilometern nach tatsächlich ist, weil es ein weithin leeres Land ist. Trotz der türkischen Bevölkerungsexplosion — Anfang der zwanziger Jahre gab es rund zwölf Millionen Türken, nur sechzig Jahre später waren es viermal so viele — erstrecken sich in Zentral- und Ostanatolien Steppen und Gebirge von grandioser, wilder Ursprünglichkeit, in denen man über Stunden auf keine größere Siedlung trifft. Auch über den vom Klima begünstigten Regionen Westanatoliens, über den Waldgebirgen der lykischen Küste gegenüber von Rhodos und über denen der Schwarzmeerküste liegt noch nicht das Verhängnis der Überbesiedelung und Übernutzung. Die Ursprünglich-

Termékadatok

Cím: Türkei [antikvár]
Szerző: Christoph K. Neumann Michael Neumann-Adrian
Kiadó: Merian
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 110 mm x 190 mm
Christoph K. Neumann művei
Michael Neumann-Adrian művei
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