Bővebb ismertető
ie Ungarn kamen bereits vor ihrem Einzug in das Karpatenbecken in engen Kontakt mit türkischen Völkern. Im Mittelalter lieBen sich in der Mitte des Landes Kumanen nieder, und vom 16. Jahrhundert an geriet der bedeutendste Teil des Landes für lángere Zeit unter die Herrschaft der Türkén. Die Sprache des ungarischen Volkes nahm verstándlicherweise im Laufe dieser Jahrhunderte nicht wenige bulgarisch-türkische, kumanischpetschenegische und osmanisch-türkische Elemente auf. Diese Vorgeschichte erklárt, daB in Ungarn schon zur Zeit der osmanisch-türkischen Herrschaft für Sprache, Dichtkunst und Geschichte der türkischen Völker sowie für deren Bráuche ein beachtenswertes wissenschaftliches Interesse bestand. Einen diesbezüglichen Beitrag zur ungarischen Geschichtsschreibung lieferte Miklós Oláh bereits im Jahre 1536 mit seinem Werk Hungaria et Attila, und in den folgenden Jahrzehnten steuerten nach der Katastrophe von Mohács in türkische Gefangenschaft geratene Ungarn interessante und wertvolle türkische Textsammlungen bei. Aus der Feder eines unter dem Namen „Dolmetscher Murád" arbeitenden Unbekannten sind uns 1544 und 1556/57 gesammelte, mit lateinischen Buchstaben aufgezeichnete türkische Texte erhalten geblieben. Mit dem Namen von Bertalan Georgievits sind die Werke De turcarum moribus epitome (1553) und De origine imperii turcarum (1555) verbunden. Der groBe ungarische Lyriker Bálint Balassi, der im Kampfe gegen die Türkén vor Esztergom den Heldentod fand, hat zwischen 1552 und 1556 türkische Gedichte ins Ungarische übersetzt. Man weiB sogar von einem Gedicht, das Balassi in türkischer Sprache geschrieben hat. Áhnlich wertvoll wie das Sprachvermáchtnis der türkischen Völker sind die schriftlichen türkischen Quellen zur ungarischen Geschichte. Den sich im 17. und 18. Jahrhundert immer mehr entfaltenden linguistischen und historischenForschungen folgte im vergangenen Jahrhundert die musterhafte Bearbeitung türkischer Texte, und schlieBlich wurden die für die ungarische Geschichte aufierordentlich wertvollen türkischen Chroniken in vorzüglicher Ubersetzung veröffentlicht. Diese Ubersetzungen sind für uns auch deshalb so interessant, weil die raschen Erfolge der osmanischen Macht auf dem Balkan bereits Ende des 14. Jahrhunderts bei Nikopol zu einem offenen ZusammenstoB zwischen der ungarischen und türkischen Heeresmacht führten. Reich an Kriegsereignissen war auch das folgende Jahrhundert, bis dann im Jahre 15 26 in der Schlacht bei Mohács die ungarische Elité samt ihrem König zugrunde ging. Kaum anderthalb Jahrzehnte spáter fiel auch das Herz des Landes, die Burg und Stadt Buda, fast ohne Widerstand in die Hánde der türkischen Eroberer, und hiermit begann in der Geschichte Ungarns eine neue Epoche. Die Zeit der Türkenherrschaft über Ungarn umfaBt annáhernd anderthalb Jahrhunderte. Die Kriegserfolge lieferten natürlich den türkischen Chronisten des 16. Jahrhunderts reichlichen StofF und regten zugleich die Buchmalerei an, da die handgeschriebenen Bánde illustriert wurden. Es ist kein Zufall, daB gerade das für Ungarn so katastrophale, für die Türkén dagegen um so erfreulichere historische Ereignis, die Schlacht bei Mohács, den AnlaB gab, daB in der ungarischen Geschichtsschreibung erstmals türkische Miniatűrén erwáhnt wurden. Im Jahre 1896 erschien unter dem Titel Török Történetírók (Türkische Geschichtsschreiber) eine Quellenpublikation, die Bezúg nehmend auf den ungarische Ereignisse beschreibenden Teil eines Werkes des vorzüglichen Chronisten Suleimans des GroBen (1520-1566), des im allgemeinen mit dem ehrenvollen Namen „Koca Ni^ancI" (Der groBe NifancI) bezeichneten Celálzade Mustafa, unter den Miniatűrén der ungarischen Burgen auch das Bild der Schlacht von Mohács erwáhnt. (Der Nischandschi war ein hochgestellter Beamter, der wichtige Staatsangelegenheiten des Sultans versah.) Dies ist der zweite Band der fünfbándigen Quellenpublikation „Türkische Geschichtsschrei5