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Ini Schatten der Wismarer Marienkirche wuchs ich auf, ich, der Makr Henning Schnytker. Man hat es schwer, neben einem solchen Turm zu wachsen. Ich fiihlte mich immer klein. Mein Vater, Jóst Schnytker, besaB ein festes steinernes Bürgerhaus mitTreppen-giebel und glasierten Ziegeln in der StraBenfront, das sich neben der riesigen rőten Kirche freilich auch klein genug ausnahm. Ehrlich gesagt - ich hatte Angst vor der Marienkirche und wagte es lange Zeit nicht, meinen Kopf ganz hinten in den Nacken zu legen, ihn furchtlos hangén zu...
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Ini Schatten der Wismarer Marienkirche wuchs ich auf, ich, der Makr Henning Schnytker. Man hat es schwer, neben einem solchen Turm zu wachsen. Ich fiihlte mich immer klein. Mein Vater, Jóst Schnytker, besaB ein festes steinernes Bürgerhaus mitTreppen-giebel und glasierten Ziegeln in der StraBenfront, das sich neben der riesigen rőten Kirche freilich auch klein genug ausnahm. Ehrlich gesagt - ich hatte Angst vor der Marienkirche und wagte es lange Zeit nicht, meinen Kopf ganz hinten in den Nacken zu legen, ihn furchtlos hangén zu lassen, damit meine Augen die Turmfassade hinaufklettern konnten bis dort-Kin, von wo das Glockensausen kam, das uns Schweigen und Ehrfurcht gebot. Wenn geláutet wurde, verstummte in uns erem Hause das Gesprách. Man hátte auch ohnehin kein Wort verstanden. Mein Vater war Maler, wie auch meín GroBvater Maler gewesen war und wie auch ich einer wurde - was denn sonst? Ich lernte die Kunst in der Werkstatt meines Vaters, verlor mit zunehmenden Jahren die Angst vor der groBen Kirche mit ihrem hohen Turm, gewann ihn sogar lieb, denn der Glöckner lieB mich, sooft ich es wollte, aus der Glockenstube über Land und Meer schauen. Immer wieder zeigte er nach Westen und sagte: »Dort liegt Lübeck!« Und manchmal war mir, als sáhe ich die Lübecker Türme am Horizont, so wie man von der Insel Poeí aus die Türme am Wismarer Horizont sieht. Ich genoB diesen Anblick oft, denn der Brúder meiner Mutter besaB auf Poel ein Bauern-gut. Ich war ein eifriger, wiBbegieriger Lehrling, mein Vater konnte sich mit mir sehen lassen. Wir malten Altartafeln und kleine fromme Bilder für Klöster und Wismarer Bürger; wir hatten genug zu tun. Es ging uns gut. Die Einnahmen flossen reíchlich. Mein Vater vergröBerte das Haus und die Werkstatt. Lehrlinge aus weniger angesehenen Familien wies er ab. Er war zeitweilig auch Armenpfleger der Stadt, hatte einen Sitz unter den Vorstehern des Heilig-Geist-Spitals und rückte sogar in den Wismarer Rat auf. In diesen Jahren malte er nur noch wenig und setzte alle Hoffnung auf mich: Ich sollte sein Haus leiten und die groBen Auf-tráge ausführen. Ich sollte dem Namen Schnytker noch gröBeres Ansehen ver-schaffen. Aber zunáchst schlug für mich die Stunde eines Abschieds. Ich war siebzehn Jahre alt geworden und ging nun auf die Gesellenwanderschaft, und zwar nach Rostock und Stralsund. Dann zog ich auch noch nach Greifswald úrid sogar nach Prenzlau, aber dort hielt ich mich nicht lange auf. Viel Neues lernte ich unterwegs nicht, und in Stralsund fragte man mich fast vorwurfsvoll, weshalb ich denn nicht nach Lübeck wollte. Alléin in Lübeck gábe es Neues, dort könne man lernen, nur dort lebten angesehene Meister. Alle

Termékadatok

Cím: Türme am Horizont [antikvár]
Szerző: Renate Krüger
Kiadó: Prisma-Verlag Zenner und Gürchott
Kötés: Vászon
Méret: 150 mm x 210 mm
Renate Krüger művei
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