Bővebb ismertető
Stendhals Versuch »De l'Amour« hatte in den ersten zwanzigjahren nach seinem Erscheinen (1822) einen beispiellosen Mißerfolg. Diese Erfahrung beschäftigte den Autor wiederholt und sehr lebhaft. In zwei Entwürfen zu einem neuen Vorwort für das Werk, wahrscheinlich 1826 und 1834 geschrieben, geht er den Gründen ernstlich nach. Er fragt nicht ins Allgemeine hin, wie es möglich sei, daß ein Thema von derart entscheidender Wichtigkeit im Leben eines jeden Menschen wie die Liebe keinen Käufer anzureizen vermochte. Sondern er legt sich die eindeutige, psychologische Frage vor: welcher Art von Lesern sein Buch überhaupt zugänglich sei. Die bekannte überspitzte Antwort lautet: »Ich schreibe allein für hundert Leser, und zwar für jene unglücklichen, liebenswerten und anziehenden Gemüter, die ein Leben frei von Heuchelei und Vorurteilen führen. Sie, deren ich kaum eines oder zwei kenne, möchte ich ansprechen.« Wer darum seinen Versuch verstehen wolle, dessen Herz müsse die Liebe, die Leidenschaft schon irgendwie in sich tragen. »Ich selbst kann sie nicht einzeichnen.« »Trotz aller Bemühungen, klar und deutlich zu sein, vermag ich keine Wunder zu wirken, kann ich weder Taube hörend noch Blinde sehend machen. Finanzleute, grobe Genußmenschen, die jährlich hunderttausend Franken verdienen, mögen das aufgeschlagene Buch nur schleunig wieder zuklappen, besonders wenn es sich um Bankiers, Fabrikanten und andere ehrbare Geschäftsleute, das heißt bloße nüchterne Verstandesmenschen handelt. Dagegen wird einem, der sein Geld auf der Börse oder in der Lotterie gewinnt, das Buch weniger verschlossen sein. Denn diese Art von Gelderwerb verträgt sich sehr wohl mit der Gewohnheit, stundenlang einer Träumerei nachzuhängen und sich Empfindungen zu überlassen, wie sie ein Gemälde Proudhons, eine Melodie Mozarts oder auch ein gewisser unbe-