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EINE MENSCHENGERECHTE REGIONWer, wie ich, in der Ebene von Assisi, im Schattender Kuppel von Santa Maria degli Angeli, geborenist, empfindet Umbrien als die "Urlandschaft", inder er seine Reise durch das Leben auch beendenmöchte: der blaue Himmel, eingeschlossen zwi-schen dem kahlen Gipfel des Monte Subasio undden grünen Hügeln von Bettona, die schlankenGlockentürme von Perugia und der trutzige Felsenvon Spoleto. Wer nicht aus Umbrien stammt undvon weither kommt, sieht diesen Landstrich mitganz anderen Augen; er identifiziert ihn mit demhl. Franziskus von Assisi, dem gezähmten Wolf vonGubbio und dem grünen Herzen Italiens. Von demdichterischen Ruhm der Region geblendet, hört derBesucher die Unterschiede zwischen dem märki-schen Dialekt von Gubbio, dem römischen vonTerni, dem romagnolischen des Tibertals und demtoskanischen von Cittä della Pieve nicht heraus. Erbemerkt weder die recht offenkundigen Rivalitätenzwischen den Einwohnern von Spoleto und Fo-ligno, von Todi und Orvieto, von Assisi und Peru-gia noch die der kleinen Dörfer auf dem Land, dieunter dem Deckmantel lokalpatriotischer Hänseleiheute noch uralte, nie erloschene Feindschaftenaustragen.Er weiß auch nicht, daß der Grund für diese ver-borgene Vielfalt darin liegt, daß Umbrien, trotzseiner anmutigen und würdevollen alten Städte,eine junge Region ist, die beinahe zufällig entstan-den ist, nach dem Einmarsch piemontesischer