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DIE ENTWICKLUNG DER UNGARISCHEN VOLKSBRÄUCHE UND IHRE HAUPTMERKMALEDie ersten wissenschaftlichen Beschreibungen der ungarischen Volksbräuche erschienen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ungarischen Zeitschriften, z. B. in Tudományos Gyűjtemény (Wissenschaftliche Sammlung) und Felsőmagyarországi Minerva (Oberungarische Minerva). Im Jahre 1867 wurde der erste selbständige Band herausgegeben, der ungarische Volksbräuche schildert: Magyarországi népszokások (Ungarische Volksbräuche). Sándor Réső Ensel, der das Buch zusammengestellt und das Material zum Teil selbst gesammelt hatte, schrieb unter anderem in der Einleitung:Unsere Volksbräuche zu registrieren und zu schildern, ist ein altes Anliegen der ungarischen Literatur. Die Kisfaludy Társaság' (Kisfaludy-Gesellschaft) erließ im Jahre 1862 in mehreren Blättern (u. a. in der Vasárnapi Újság [Sonntagszeitung], Jahrgang 1862, S. 319) einen Aufruf und begründete die Nützlichkeit der Erforschung von Volksbräuchen. Doch eine umfassende Sammlung, die die Öffentlichkeit mit unseren Volksbräuchen bekannt machen kann, ist noch immer nicht erschienen Ich habe den größten Teil meines schönen Vaterlandes bereist und mein Interesse auch auf dieses Gebiet ausgedehnt. Ich scheute mich nicht, die einfachen Menschen kennenzulernen, ich erforschte ihre Sprache, ihre Trachten, Lieder, Tänze, Sagen und Bräuche, in denen der ursprüngliche Nationalcharakter zum Ausdruck kommt. Ich ging zu den Bauern aufs Feld, besuchte Hochzeiten und Totenfeiern, und was ich sah und hörte, notierte ich als objektiver Beobachter Dieser Band zeigt, wie Ehen geschlossen werden, wie sehr die jungen Leute von den Eltern abhängen, wie patriarchalisch das Leben der ungarischen Bauern verläuft: der Vater übt unumschränkte Macht über seine Kinder aus. Das Buch erzählt, wie die Trauzeugen und Ehepartner ausgewählt werden, wie lange man bei der Partnerwahl verhandelt und feilscht. Dann werden die Brautschau und der Hochzeitsschmaus geschildert, bei dem schließlich die Köchin mit verbundenen Händen vor den Gästen erscheint, um zu zeigen, daß sie sich bei den Vorbereitungen für das Mahl ,die Hände wund gearbeitet' hat. Die Gäste überreichen der Köchin ein kleines Geldgeschenk, die Jugend lärmt und tanzt, und die Musik spielt, man spricht eifrig dem Wein zu und geleitet das junge Paar endlich feierlich