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Unser Genosse Winston Smith Tschechoslowakisches Nachwort zum Roman 1984" von George Orwell* Von MILAN SIMECKA Meiner Frau 1. Mein Genosse Winston Smith So wie alle, die sich nicht schämen, es zuzugeben, habe auch ich einst Bücher gelesen, um mich mit ihren Helden identifizieren und herrliche ausgedachte Geschichten erleben zu können. Der Reiz der Lektüre bestand darin, daß ich zum Mikrobenjäger wurde und Tausende von Menschen vor dem unausweichlichen Tode rettete. Ich war es, der mit dem Raumschiff auf fremden Planeten landete, die voll seltsamer Gewächse und Tiere waren, und Frauen mit brennenden Augen und roter Haut. Ich dachte über alle Möglichkeiten des Guten (oder Bösen?) nach, das ich als Unsichtbarer würde tun können, und über alle Geheimnisse, in die ich Einblick gewinnen könnte. Und Wells war ich böse, weil er diese Möglichkeiten umging und den Unsichtbaren von der Menge auf der Straße erschlagen ließ. Über alles aber sehnte ich mich danach, mit Susan, Titty, John, Nancy und Peggy auf der Wildkatzeninsel zu sein oder mit Dorothy und Dick die südlichen Flüsse Yare und Bure hinabzufahren bis zum Breydon-See und weiter bis nach Yarmouth und aufs offene Meer. Was wiederum davon zeugt, daß ich von Kindheit an unbewußt zu einem Leben ohne Konflikte neigte und zu den Grundsätzen des Anstands, der auch in der Wildnis befiehlt, für zwei Stückchen Zucker in den Tee zu danken. Wie seltsam! Erst als erwachsener Mann begriff ich, daß man sich für sein Leben nicht, wie man gerne möchte, die verlockendste Geschichte seiner Bücher aussuchen kann, sondern daß man die Geschichte annehmen muß, die der Form der eigenen Seele entspricht, und daß man sie zu Ende le* Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein 1983 fertiggestelltes Manuskript.