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Vorwort der Herausgeber
Als dieses Buch 1994 erstmals erschien, verzeichnete die von der UNESCO geführte Liste des besonders schützenswerten Weltkulturerbes für den deutschsprachigen Raum insgesamt 16 Kulturdenkmäler. Seinerzeit hatte die Österreichische UNESCO-Kommis-sion noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob überhaupt Denkmäler zur Aufnahme in die Weltkulturerbeliste der UNESCO vorgeschlagen werden sollen. Inzwischen hat sich die Situation verändert; heute können wir insgesamt 25 Denkmäler vorstellen, darunter je drei auf schweizerischem und österreichischem Boden. 1996 wurde für Deutschland auch erstmals mit der Fossilfundstätte der Grube Messel ein Naturdenkmal zum Welterbe erklärt, das sich nicht durch außerordentlichen landschaftlichen Reiz, sondern durch seinen einzigartigen Zeugniswert für naturwissenschaftliche Forschung auszeichnet.
Ganz bewußt betrachtet diese Publikation das Weltkulturerbe Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in der Zusammenschau als einen geschichtlich gewachsenen homogenen Raum kultureller Gemeinsamkeiten und auch regionaler Besonderheiten. Das Spektrum der 25 Kulturdenkmäler reicht von der bronzezeitlichen Frühkultur der Hallstatt-Region bis zu den Bauhausstätten in Weimar und Dessau, die dem künstlerischen Erbe des 20. Jahrhunderts angehören und über die deutschen Grenzen hinaus wesentlich zum internationalen Kunstdialog der Moderne beigetragen haben.
Als 1995 mit den stillgelegten Eisenverhüttungsanlagen im saarländischen Völklingen ein Industriedenkmal in die Welterbeliste aufgenommen wurde, stieß diese Entscheidung auf einige Verwunderung. So mancher Kritiker vermißte den spektakulären Glanz, den die Nominierungen in der Regel für sich in Anspruch nehmen können. Doch innerhalb der Deutschen UNESCO-Kommission war man sich durchaus bewußt, daß hier die Denkmalwürdigkeit weniger in den materiellen Werten der Industrieruine als im uneingeschränkten Nachvollzug eines inzwischen historisch gewordenen industriellen Prozesses begründet ist. ÄhnUches gilt - auf anderer Ebene - für die Lutherstätten in Wittenberg und Eisleben. Hier rechtfertigt der weitreichende religionsgeschichtliche Horizont der Reformation die institutionelle Würdigung der relativ bescheidenen Gedenkstätten als Weltkulturerbe der Menschheit.
Daß die Aufnahme in die UNESCO-Liste keineswegs vor gewaltsamer oder schleichender Vernichtung schützt, hat nicht nur die Diskussion um die vom Smog bedrohte Akropolis, um die fortschreitende Abholzung des tropischen Regenwaldes in Brasilien und um die Kriegszerstörungen in der Altstadt von Dubrovnik in erschreckender Weise vor Augen geführt. Am Beispiel des Denkmalkomplexes der Schlösser und Parks von Potsdam-Sanssouci konnte man nach der Wiedervereinigung Deutschlands erleben, wie eine rein ökonomisch orientierte Stadtplanung das auf Sichtachsenwirkung beruhende einzigartige Park- und Seenensemble Potsdams zu beschädigen drohte. Erfreulicherweise konnte jedoch die UNESCO-Kommission mit der angedrohten Streichung Potsdams von der Weltkulturerbeliste den massiven Bedenken der Denkmalpflege in einer breiten Öffentlichkeit Gehör verschaffen.
In diesem Sinne will dieses Buch neben der faszinierenden Schönheit und lebendigen Geschichtsträchtigkeit der Weltkulturerbe-Denkmäler am konkreten Beispiel die denk-malpflegerischen Probleme und Gefährdungen thematisieren, die sich etwa für historische Stadtkerne wie die von Lübeck oder QuedUnburg durch die Ansprüche der modernen Verkehrsplanung und des Wohnkomforts sowie städtischer Wirtschaftsinteressen auftun.
Juli 1998