Bővebb ismertető
Die Volkslieder sind lebendig geblieben
Volkslieder sind ein fester, unverziclitbarer Bestandteil der Geschichte unseres Volkes. Sie sind lebendig geblieben, allen politischen, allen gesellschaftlichen Umwälzungen zum Trotz, sie haben selbst politischen Mißbrauch überlebt
Seit einigen Jahren können wir geradezu eine Renaissance des Volksliedes feststellen. Ältere und Jüngere erieben den Zauber gemeinsamen Singens, sei es in der Familie, in Gmppen der verschiedensten Art, auf Wanderungen, in der Schule. Kaum wahrgenommen vom „kulturellen Leben", oft belächelt, manchmal befehdet von der Kunstkritik, erweist das Volkslied seine Kraft, zieht fast jeden von uns in seinen Bann. Es ist ähnlich auf der ganzen Welt: Im Volkslied zeigt sich der Geist einer Nation, stellt sich der Zusammenhang her zwischen älteren und jüngeren Generationen.
Fundgrube der schönsten Melodien
Vor hundertfünfzig Jahren gab Robert Schumann, dem wir mit dem Lied „Guten Abend, gute Nacht" eine Melodie verdanken, die im besten Sinne zum Volkslied geworden ist, den Rat: „Höre fleißig auf alle Volkslieder. Sie sind eine Fundgrabe der schönsten Melodien und öffnen Dir den Blick in den Charakter der verschiedensten Nationen." (Aus den musikalischen Haus- und Lebensregeln).
Es ist gar nicht so leicht zu definieren, was ein Volkslied ist und wann ein Kunstlied zum Volkslied wird. Eine alle wesentlichen Merkmale eines Volksliedes umfassende Charakterisierang können wir nicht anbieten, am ehesten ist das Volkslied noch von seiner dauerhaften Wirkung her zu erfassen. In den verschiedensten Epochen, das zeigt auch unsere Sammlung, haben einzelne Volks-grappen auf unterschiedlichste Weise ihr Lebensgefühl in Liedem zum Ausdruck gebracht; viele von ihnen sind heute vergessen, doch einige haben bis heute überlebt, sprechen uns auch weiterhin an, rafen Empfmdungen wach, machen uns glücklich, wehmütig, sehnsüchtig, nachdenklich. Warum es nun gerade dieser Kanon ist, der für uns lebendig geblieben ist, das ist sicher keine Fragestellung fiir Experten, eher fiir den, der etwas von der Seele der Menschen versteht
Zunächst mündlich überliefert
Bis etwa 1000 Jahre zurück können wir den Ursprang von Volksliedem im deutschen Sprachraum feststellen. Sicher hatte jedes einzelne Lied einen eigenen Urheber, doch ist er meist unbekannt geblieben oder sehr bald vergessen worden. Zunächst wurden diese Lieder von Generation zu Generation und über das Entstehungsgebiet hinaus mündlich überliefert, wir könnten hier von wandemden Liedweisen sprechen. Auf dieser Wanderschaft haben sie dann manche Veränderang erfahren. Sie
paßten sich dem sich ändernden Volksgefiihl an. Das gilt für den Text genauso wie für die Melodie. Melodien wurden mit anderen Texten unterlegt und umgekehrt. Logische Zusammenhänge gingen dabei verloren, ebenso wie der Sinnzusammenhang zwischen den einzelnen Strophen, das macht uns heute der Zugang zu den Texten sicher nicht leichter.
Obwohl mit der Erfmdung der Buchdrackerkunst eine weitere Verbreitungsmöglichkeit des Volksliedes hinzukam - in sogenannten fliegenden Blättern wurden die Lieder verbreitet - blieb die mündliche Überlieferang, blieb das Vor- und Nachsingen die wesentlichste Form des Weitergebens. Das ist eigentlich bis in unsere Tage so geblieben. Wenn wir uns prüfen, wie wir Volkslieder gelernt haben, so ist das auch durch Hören und Nachsingen geschehen; so wird unser Buch fiir sehr viele Erlebnisse des Wiedererketmens, des Wiederbesinnens auslösen. Ein Volk kann nicht ohne Geschichte, ohne Besinnung auf seine Vergangenheit existieren, es ist wichtig für uns, was unsere Mütter und Großmütter, unsere Väter und Großväter und deren Vorfahren gedacht, empfunden und eben auch gesungen haben.
Handwerksgesellen, Studenten, Jugend-und Wanderbewegungen
Immer waren es besondere Gruppen, meist Berafsgmp-pen, die besonders für die Verbreitung des Volksliedes gesorgt haben. Wenn es vor vielen Jahrhunderten die fahrenden Handwerksgesellen und die umherziehenden Studenten waren, die die Volkslieder durch die Lande tragen, so waren es im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert besonders die Jugend- und Wanderbewegungen, die sich des Volksliedes annahmen. Für sie war das Volkslied Ausdrack eines besonderen Lebensgefühls, sie wollten einem industriellen, technisierten Zeitalter nicht erliegen. Dieses Gefühl ist auch gerade heute wieder besonders stark bei jungen Menschen, die aus genau denselben Impulsen das Volkslied für sich neu entdecken.
Spürt man der Wirkung des Volksliedes nach, so stellt man fest, daß Text und Melodie in gleicher Weise an der Gunst des Volkes beteiligt sind. Beide müssen das „Ohr des Volkes" treffen. Sprachliche und melodische Form müssen eingängig sein. Das Volkslied stellt die elementaren Vorkommnisse im Leben des Menschen in anschaulicher und einfacher, jedem verständlicher Sprache dar. Diese elementaren Vorkommnisse sind der Tageslauf, die Jahreszeiten, das Lieben und Leiden, Geburt und Tod, Hoffnung und Erfüllung, Freude und Besinnung.
Ein Spiegelbild der Seele des Volkes
Das Volk wird die Lieder singen, mit denen es sich identifizieren kann. Je stärker diese Identifikation ist, um so breitere Schichten wird das Lied erreichen. Die Melo-