Bővebb ismertető
An den Leser
»Von einer Beschleunigung der Weltgeschichte hat man schon im
19. Jahrhundert zu sprechen angefangen. Schneller wechselten die Staats- und Herrschaftsformen, wuchsen die Städte, jagten die Haupt-und Staatsaktionen einander, schneller wurden Reiche arm und Arme reich; mehr Opfer forderten die Kriege, mehr wissenschaftliche Entdeckungen, technische Erfindungen, Neuerungen der Denk- und Kunststile, der Bauweisen und Moden fielen auf das Jahrzehnt, mehr Menschen wurden geboren . . .«
Diese Sätze, die Prof. Golo Mann in seiner Einführung zu unserem Dokumentarband: »Unser Jahrhundert im Bild« schrieb, sind die Leitgedanken für die Gestaltung dieses neuen, vorliegenden Bandes gewesen. Sie bilden die gedankliche Verbindung zwischen den beiden großen Dokumentarwerken: Ging es im ersten um ein Porträt unseres
20. Jahrhunderts und seiner historischen, kulturellen, gesellschaftlichen Ereignisse, so setzt der vorliegende Band die Betrachtung in gewisser Weise fort, erweitert das Blickfeld auf die ganze Welt und die außerordentlichen Veränderungen auf allen Lebensgebieten, die in den vergangenen 150 Jahren stattgefunden haben. In der Tat: in diesem kurzen Zeitraum haben sich Welt, Weltbild und Denken in geradezu revolutionierender Weise verändert, unvergleichlich mehr als in allen Jahrhunderten und Jahrtausenden zuvor. Kämen unsere Urgroßeltern heute noch einmal auf die Welt, sie müßten sich wie auf einem fremden Planeten vorkommen! Das Rad der Geschichte drehte sich schneller und immer schneller: Kriege, Krisen, Revolutionen, Staatenbildungen und gesellschaftliche Umwälzungen, zahllose Erfindungen und Entdeckungen, ein ungeheurer technischer und industrieller Aufschwung, ein stürmischer Wechsel geistiger und kultureller Strömungen machen die vergangenen 150 Jahre zu den ereignisreichsten und aufregendsten in der Geschichte unserer Welt!
Und dennoch, trotz allen Fortschritts, ist unsere Erde auch heute noch ein Planet der Gegensätze: Hunger und Überfluß, Steinzeit und Utopia, Bevölkerungsexplosion und Menschenleere, das alles gibt es nebeneinander-von den ideologischen, gesellschaftlichen, politischen Gegensätzen ganz zu schweigen! Und daraus resultieren neue Krisen, neue Spannungen und Gefahren.
Wie also sollen wir diese Entwicklung, wie sollen wir die Gegenwart, wie die Zukunft unserer Welt beurteilen? Es gibt die extremsten Meinungen: die einen bewundern kritiklos den grandiosen technischzivilisatorischen Aufstieg, die andern verwerfen ihn, weil mit dem technischen Fortschritt der geistige und sittliche nicht Schritt gehalten habe.
Eine Antwort auf die Frage, was denn nun von unserer modernen Welt zu halten sei, ist angesichts der stürmischen Entwicklung, die keinen Augenblick innehält, angesichts der verwirrenden Widersprüche und Kontraste nicht leicht zu finden. Der vorliegende Band versucht dabei zu helfen. Er nimmt zwei Jahrhunderte zu Protokoll. Er versucht zu registrieren, was sich ereignet hat auf allen Gebieten des Lebens - was anders geworden, was geblieben ist und was sich immer wiederholt hat. Er ist ein sachliches Protokoll vom Wandel der Welt, in der wir leben, und zugleich ein spannender Bericht von den Abenteuern eines Planeten - gestern, heute, morgen.
Die Redaktion