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' 1. Kapitel
AN DIESEM TAG schien die Luft still zu stehen. Anna starrte durch das Fenster nach draußen auf die Stadt und gab sich ihren Tagträumen hin. Sie war ganz benommen von der Hitze, die in dem stickigen Konferenzraum herrschte, wo sie und ihre Genossen den Rahmen für die nahenden Gehaltsverhandlungen entwarfen. Draußen brannte die heiße Spätsommersonne unbarmherzig auf Johannesburg nieder und schien alles auszudörren.
Anna fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und lockerte es, in der Hoffnung, dann ein bisschen klarer sehen zu können. Auf der Tischplatte vor ihr waren Kaffeepfützen und Zuckerhäufchen. Zigarettenqualm schwebte durch die Luft, und die Aschenbecher quollen über. Alles wirkte wie von einer zähen Schmutzschicht überzogen.
Alles, wonach Anna sich sehnte, war ein ganz gewöhnliches Leben. Doch alles Sehnen der Welt, so dachte sie müde, würde ihr wohl nicht dazu verhelfen. Sie litt den Schmerz, den alle erleiden, die durch Zeit und Ort wie in einen Schraubstock eingespannt sind. In gewisser Weise werden wir alle durch unsere Zeit und unser Heimatland geprägt. Anna allerdings wurde durch ihres brutal in eine Form gezwängt. Sie hatte keine Wahl, jedenfalls schien es ihr so. Das Leben unter der Apartheid ließ ihr nur den schmalen Weg des Widerstands offen. Ihre Sehnsucht nach einem ganz gewöhnlichen Leben, einer Arbeit von neun bis fünf, nach Familie und Gartenwerkzeugen aus der