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Einleitung 11
losigkeit der Bauernschaft und ihre tägliche Arbeit sind dieselben geblieben. Aber nun kommen unerwartete Ereignisse, kommen neue Menschen, kommt eine neue Zeit mit neuen Begriffen. Neue Worte werden von Tribünen gesprochen, in Zeitungen gedruckt, auf Plakate gemalt, geschrieben und, als sogenannte Geistesnahrung, unter eine indolente Millionenherde geworfen. Die Bauern verschanzen sich hinter Kulturlosigkeit, Aberglaube und Bedürfnislosigkeit und haben nur den einen Wunsch, in ihrer Alltagsarbeit nicht gestört zu werden. Die neuen Menschen denken aber anders. Sie wollen auch leben und verlangen zudem, daß die ,,Herde" ihre Gedanken annehmen, sich ihrem Willen fügen möge. Dem ersten erfolglosen Ansturm folgt ein hartnäckiger, unabsehbarer Positionskampf. Schließlich verlangt auch der Alltag sein Recht. Man kann nicht in einem Lande zusammen leben, dasselbe Brot essen, dieselbe Luft atmen, ohne sich ständig zu berühren. Das Volk bleibt bei seinen alten Sitten imd Gebräuchen, ist aber genötigt, zu den Einrichtungen der neuen Gewalt Stellung zu nehmen. Die Bolschewisten und die Armee ihrer Funktionäre predigen täglich (allerdings auf ihre Art), was Marx und Engels (ganz anders) gemeint haben, sind aber ihrerseits genötigt, sich den Ueberlieferungen der alten Zeit, zu denen die ,,übrigen Bewohner des Landes" halten, anzupassen, ja sind zum Teil selbst noch mit Leib und Seele diesen Vorurteilen ergeben. Das Volk wiederum verdammt und verflucht die Bolschewisten und ihre Neuerungen, ist aber unbewußt gezwungen, sich den neuen Zuständen zu fügen und seine Geistesrichtung zu modifizieren. Und im Endresultat entsteht ein Zustand, der nicht anders geschildert werden kann als durch die Erklärung, daß das ganze russische Volk heute ein Doppelleben führt, in welchem die bestehenden Gegensätze nur äußerst schwer verarbeitet werden . . .
Es wird einmal eine andere Zeit kommen. Mit oder ohne Bolschewisten wird sich das russische Volk „häuten". Und ein erneutes, geläutertes Rußland wird entstehen.