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Guten Tag, Algier
Zum längst fälligen Frühstück ließ ich mich auf der Straße nieder, wo Stühle und Tische eines Cafés zum Verweilen einluden. Der Kellner brachte Croissants - Hörnchen aus Blätterteig - und Kaffee. Meine Nase signalisierte einen spezifischen, Erinnerungen weckenden Duft, über dessen Komposition ich mir bis heute nicht im klaren bin. Gewiß steuerten Gewürze einiges dazu bei, der scharf gebrannte frische Kaffee, das Jasminaroma des irischen Weißbrots, die Salzluft vom Meer, vielleicht die Ladung der Fischerboote am Hafen . . . Das Auge erfaßte indessen die vorübergehenden Menschen: die mit weißen Haiks dicht verschleierten Frauen; die würdigen schnurrbartgezierten Männer mit hellgrauen oder hellbraunen weiten türkischen Pluderhosen und den kleinen gestrickten oder gehäkelten Käppchen auf dem Kopf; die wallenden Locken und mächtigen Bärte von Algiers Jugend, die Blue Jeans und superkurzen Miniröcke, die westliche Mode kopierten; die Overalls der zur Arbeit strömenden Dockarbeiter; die Uniformen der jungen Wehrpflichtigen des »Service National«, des »Nationalen Dienstes«.
Die Rue Didouche Mourad, benannt nach einem der gefallenen Helden des algerischen Befreiungskrieges, ist einst als Rue Michelet die elegante Hauptgeschäftsstraße von Alger (Algier) gewesen. Von der Talmi-Eleganz der Kolonialmetropole hat sich vieles in das unabhängige Algerien hinübergerettet - die messingblinkenden Eingangspforten der Geschäfte, die dezent-vornehmen Schaufenster. Die Rue Michelet war einst die Spielwiese einer vermögenden Minderheit; sie versuchte, Pariser Chic zu zeigen, eigens importiert für die Möchtegern-Pariser von den algerischen Plantagen. In den ersten Jahren nach 1962 hat eine auf ihren Aufstieg hoffende algerische Bourgeoisie vielleicht gewünscht, diese Kopie der Champs Élysées in die Zukunft hinüber-zuretten. Aber mit Algerien und dem algerischen Volk hatte dies nichts zu tun.
Das Café, die »Cafeteria«, versuchte auch, dieses weltstädtische Flair
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