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EINLEITUNG IN MEMÓRIÁM ÖDÖN VON HORVÁTH Über den Torso jenes Werkes, das uns der Dichter Ödön von Horváth hinterlieB und das sechzehn Stücke und drei Prosabücher umfafit, gilt es schon deshalb zugleich mit einer Betrachtung seiner schöpferischen Persönlichkeit zu schreiben, weil in unserer Literatur vielleicht seit dem - Jahrzehnte nach seinem Tode erst wiederentdeckten - Georg Büehner kein so verheiBungsvoller Aufbruch durch ein jáhes Ende abgeschnitten wurde. Und weil die Gefahr droht, daB in unserer geistig zentrifugalen Zeit die Erinnerung an seine Bücher und an seine gröBtenteils noch unaufgeführten Stücke mit dem Hingang der letzten, die ihn kannten und Uebten, verlösche. Man muB ihn als Österreicher im übernationalen Sinne des Wortes ansprechen, obgleich er der magyarischen Gentry, dem dort ebenso wie in RuBland hterarisch sehr produktíven Kleinadel, entstammte. Sein Vater war Staatsbeamter und Diplomát gewesen, erst auf dem Balkan und spáter in München; er diente, als Ödön am 9. Dezember 1901 in der Hafenstadt Fiume zur Welt kam, beim Stáb des ungarischen Gouverneurs, der über jene merkwürdige Enkláve innerhalb des Banates Kroatien der k. u. k. Monarchie regierte. Die Stadt besaB eine kroatische und eine italienische Bevölkerung, die nicht eben freundschaftliche Gefühle für einander hegten, sich gemeinsam aber in der Abneigung gegen Ungarn fanden, dem die Familien der dort amtierenden Behörden entstammten. Und obwohl die Übersetzung des Namens „Horváth46 „Kroate" bedeutet, verbürgt seltsamerweise gerade das die ungarische Herkunft seines Trágers, denn die an den Grenzen des Landes der Stefanskrone angesiedelten Magyarén