Bővebb ismertető
I. Kapitel.
Die idealistische Kunst in China.
Die Nördlichen Sung.
Wir kehren jetzt nach einer langen Pause, während deren wir uns einzig mit Japan beschäftigt haben, zu der Kunst Chinas zurück. Diese Pause muß in dem Leser den Anschein erwecken, als seien die beiden Kulturen während des Mittelalters völlig von einander getrennt gewesen. Wir möchten nun auch seine Aufmerksamkeit auf den großen Abstand der beiden Kulturepochen in China selbst hinlenken. Dort hatte sich die Kunst, die ich eine mystische genannt habe, im Laufe der Zeit zu einer anderen entwickelt, die ich jetzt eine idealistische nenne.
Denn dieser bedeutsame Wandel ist nichts anderes als ein vollständiger Übergang vom T'ien-t'ai-Buddhismus zum Ch'an-Buddhismus; kein plötzlicher Übergang, denn die beiden Sekten hatten, selbst in der Zeit der T'ang, immer nebeneinander existiert, aber ein definitiver Übergang. Solch ein Wandel wird natürlich von den offiziellen chinesischen Geschichtsschreibern ignoriert; haben doch alle buddhistischen Streitfragen für ihr abendländisches Fassungsvermögen nur untergeordnete Bedeutung. Die absolute Gleichförmigkeit der konfuzianischen Politik, seit der Han-Zeit bis wenigstens heute, wo ich diese Zeilen schreibe (1906), scheint sie zu dieser falschen Schlußfolgerung zu verleiten; gerade so wie christliche Sektierer, wenn sie europäische Geschichte schreiben, aus dem Bann ihrer Lieblingsdogmen nicht herauskommen. Diese Revolution im chinesischen Empfinden und in der Kunst war indessen so gewaltig, als wenn sich die Erde überkugeln und ihre Achse nach der Gegend von Panama verlegen wollte, so daß alle Kulturvölker, die diese Katastrophe überlebten, ihre Wolkenkratzer auf dem antarktischen Kontinent aufbauen müßten; denn sie bedeutete keinen geringeren Umschwung in der buddhistischen und sozialen Anschauung, als den Ersatz des Supranaturalismus durch den Naturalismus. Ich nenne den letzteren idealistisch, weil er die Natur nicht als ein Sammelsurium von zufälligen Tatsachen, sondern eher als ein System vernünftiger Gesetze betrachtet. So wird er zu einer großen Schule dichterischer Interpretation.
Feaollosa, Chines. u. japan. Kunst. IT. 1