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VAN GOGH: IMPRESSIONISMUS UND SUB EKTIVTÄT
Das Werk van Goghs ist von dem Mythos umgeben, der Maler sei ein Märtyrer der modernen Kunst gewesen. Seine Krankheit sowie die intensive und leidenschafthehe Hingabe an die Malerei bis hin zur Bereitschaft, ihr sein Leben zu opfern, wurden schon in vielen Filmen und Liedern thematisiert. Das in der Romantik verbreitete Bild von einem Künstler fand in van Goghs Leben seinen tragischen Höhepunkt. Um das Werk des Künstlers richtig einschätzen zu können, muss sein Leben jedoch aus einer gewissen Distanz betrachtet und mit den kulturellen Unruhen der Zeit in Verbindung gebracht werden. Van Goghs künstlerische Laufbahn war nur sehr kurz: Kaum zehn Jahre liegen zwischen seiner 1880 getroffenen Entscheidung, sich der Kunst zu widmen, und seinem dramatischen Tod. Er erlebte diesen Zeitraum als intensive Lehrzeit und schien wie besessen von dem Drang, die verlorene Zeit aufzuholen.
WAGEMUT UND NAIVITÄT
Van Gogh machte die fehlende Ausbildung durch ständiges Praktizieren wett, was die große Anzahl seiner Bilder innerhalb eines so kurzen Zeitraums erklärt. Sein einzigartiger Wagemut und eine gewisse akademische Naivität ergeben das Besondere der künstlerischen Ideologie van Goghs. Eigentlich wollte er immer gerne Menschen malen, wie zum Beispiel in dem Werk Die Kartoffelesser (1885), sein erstes
Bild, das er für gelungen genug hielt, um es der Nachwelt zu hinterlassen. Es war aber oft schwierig, Modelle zu finden. Van Gogh ging als impulsiver und koloristischer Maler in die Geschichte ein, hat aber in Wirklichkeit immer Form und Struktur eines Bildes größte Bedeutung zuge-
KŰNSTLERISCHES TEMPERAMENT
Die Erfahrungen, die van Gogh als Prediger bei den Bergleuten von Borinage machte, deren elendes Leben er teilte, bestimmten von Anfang an die Thematik seines Werks: Er woUte das Leben der Bauern und einfachen Leute malen und dadurch erhöhen. Dass er der Malerei des französischen Landschaftsmalers Jean-François Millet, der für die soziale Komponente seiner Bauernbilder bekannt war, während seiner gesamten Laufbahn treu blieb, ist daher kein Zufall. Sein Hauptbemühen verwendete er darauf, einen eigenen künstlerischen Ausdruck zu finden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Temperament genauso viel wert wie Originalität, ein kräftiges persönliches Naturell, das den herrschenden Konventionen und Regeln gegenüber stand. Formal wurde dieses Temperament durch expressive Pinselstriche umgesetzt, wofür Paul Cézanne vielleicht das beste Beispiel ist. Van Gogh orientierte sich an Malern mit einer kraftvollen Ausführung, wie Peter Paul Rubens, Eugen Delacroix oder eben Millet. Bis 1886 ver-
Brücke im Regen ist eine von drei japanischen Fantasien, die van Gogh, inspiriert von Biroshiges Holzschnitten, verwirklichte.
Diese ersten Werke van GoLhs, die eine wichtige ethisch-soziale Verpflichtung erkennen lassen, zeigen deutlich den Einßuss Millets.