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„Die Malerei habe ich im Blut
In seinen tagebuchartigen Briefen schätzt van Gogh seine künstlerischen Fähigkeiten klar ein.
„ Du hast vielleicht schon gehört, daß ich nach London gehen werde, und zwar wahrscheinlich schon sehr bald, Jetzt, nachdem meine Übersiedlung beschlossene Sache ist, merke ich erst, welch starke Gefühle mich an Den Haag binden. Aber ich kann nichts mehr daran ändern und darf es mir daher nicht so zu Herzen nehmen. Jedenfalls wird es meinem Englisch gut bekommen Theo, ich empfehle Dir Wärmstens, das Pfeifenrauchen anzufangen: ein sehr gutes Mittel gegen die Melancholie, die mich in letzter Zeit öfters überfällt "
(Aus einem Brief an den Bruder Theo, geschrieben am
n. Man !873 in Den Haag).
„ Ich bin ein Mensch, der seinem Instinkt gehorcht und zu mehr oder weniger unbesonnenen Dingen neigt, die ich hinterher oft bereue. Es kommt auch vor, daß ich voreilig rede oder handle, statt geduldig abzuwarten. Ich glaube allerdings, daß auch andere zu solch unbedachtem Handeln fähig sind. Nun, und was soll man da tun? Soll man daraus schließen, daß man ein gefährlicher Mensch ist und zu nichts zu gebrauchen? Ich glaube das nicht "
(Aus einem Brief vom Juli 1880 an den Bruder Theo}.
„ Ich widme all meine Kräfte der Malerei und beschäftige mich gerade jetzt mit dem Problem der Farben: darum habe ich mich bis jetzt nicht gekümmert, und das tut mir gar nicht leid. Denn hätte ich mich fürs erste nicht dem Zeichnen gewidmet, so fühlte ich mich jetzt von einer Figur nicht angezogen, die mir wie eine unvollendete Terrakotta erscheint, und sie könnte mich nicht betroffen machen Wenn ich anfange, auf Holz oder Leinwand zu malen, wird das Kosten verursachen Aber sei's drum: dies sind eben die Schwierigkeiten, mit denen alle Maler zu kämpfen haben, und daher müssen wir unsere Möglichkeiten genau überprüfen. Jedenfalls weiß ich genau, daß ich ein Gefühl für Farben habe, und daß dieses Gefühl sich immer weiter entwickeln wird, denn die Malerei, die habe ich im Blut. . ."
(Aus einem Brief an den Bruder Theo, geschrieben Ende
August 1882 in Den Haag).
„ Ich bin gezwungen, die Rolle eines sehr lästigen Menschen zu spielen, das heißt, ich muß um Geld bitten. Und da ich nicht davon ausgehen kann, daß sich die Dinge, was den Verkauf betrifft, bald ändern werden, ist dies eine schlimme Sache. Dennoch frage ich Dich, ob es nicht besser ist, daß wir beide hart arbeiten, auch wenn daraus weitere Schwierigkeiten erwachsen können, als daß wir in einem solchen Augenblick herumsitzen und philosophieren? Ich kann die Zukunft nicht voraussagen Theo, aber ich weiß, daß sich nach einem ewigen Gesetz alles verändert Doch was einer vollbringt, das bleibt, und man bereut nicht so leicht, etwas vollbracht zu haben. Je aktiver, desto besser, ich möchte lieber scheitern, als herumsitzen und nichts
tun . . ." (Aus einem Brief an Bruder Theo, geschrieben im Juli 1885
in Nuenen).
„ Obwohl auch hier Winter ist und, schlimmer noch, Teile des Landes überschwemmt sind, haben wir doch meist ein sehr viel milderes Khma als in Holland. Ich schreibe diese zwei Zeilen für den Fall, daß Theo Euch gesagt hat, daß ich krank war [van Gogh war nach seiner Selbstverstümmelung am Ohr einige Zeit im Krankenhaus]. Jedenfalls hat er hoffentlich selbst gemerkt, daß die Sache nicht der Rede wert ist Ich hoffe sehr, daß es Euch allen gut geht, vor allem gesundheitlich. Von mir kann ich berichten, daß ich mich während dieser paar Tage meiner Unpäßlichkeit sehr gut erholt habe und mich jetzt sehr wahrscheinlich lange Zeit hindurch gut fühlen werde "
(Aus einem Brief vom 7. Januar 1889 aus Arles an Muller und Schweslern).
„ Bis man gelassener über Geschäfte wird reden können, kann noch viel Zeit vergehen. Mehr vermag ich Dir in diesem Augenblick nicht zu sagen, und ich habe diese Tatsache mit ziemlich großer Verzweiflung erkannt, die ich auch noch nicht überwunden habe.
Dennoch, mein lieber Bruder ich habe in Dir immer mehr als einen gewöhnlichen Corot-Händler gesehen: Du hast durch mich das Entstehen einiger Bilder selbst miterlebt, die ihre Größe behalten, auch wenn ich mit ihnen gescheitert bin Nun, für meine Arbeit zahle ich mit meinem Leben, und mein Verstand ist schon zur Hälfte
verbraucht "
(Aus dem Brief an seinen Bruder; man fand den Brief bei van Gogh nach seinem Selbstmord am 29. Juli 1890).