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EIN LEITUNG
1 . Die Methode des multilateralen Übersetzungsvergleichs
Die Eigentümlichkeiten einer Sprache "erkennt man erst am Gegenbild, so wie man die Eigenart der Wirbeltiere erst durch den Vergleich mit anderen Tierklassen voll begreift", schreibt A. Kracke ^ um als äußersten Gegenpol zu den europäischen Kultursprachen das isolierende Chinesisch einer vergleichenden Betrachtung zu unterziehen.
Dieses Unternehmen steht heute als Extrem und kann aus verschiedenen Gründen (s.u.) nur als gewagter Versuch gesehen werden; unanfechtbar jedoch bleibt die grundsätzliche Festellung: Das Typische einer Sprache läßt sich am besten im Vergleich mit anderen Sprachen erkennen - so allein kann Schönheit und Stärke, aber auch Mangel und Schwäche einer Sprache aufgedeckt werden - Erkenntnisse, die einer internen Sprachbetrachtung verborgen bleiben müssen.
Um sichere Ergebnisse zu liefern, bleibt - wie wir sehen werden - Bescheidenheit geboten: nicht mit fernen, wortkargen Sprachen soll und kann verglichen werden, sondern mit nächstliegenden, nächstverwandten; nicht mit Sprachen verschiedener kultureller Entwicklungsstufen (früher etwa wurde alles am Lateinischen gemessen oder s.o. bei Kracke den Vergleich "europäische Kultursprachen - Chinesisch ), sondern mit Sprachen von Völkern, deren kulturelle Traditionen sich möglichst ähnlich sind, und die gleichzeitig gesprochen werden, was für uns einen Vergleich zwischen den europäischen Kultursprachen selbst bedeutet.
Diesen Aufgaben versucht die junge"Stylistique externe" oder "Stylistique comparée" als Gegenpol zur "stylistique interne" im herkömmlichen Sinne ^ durch synchronische Betrachtungen gerecht zu werden.
1) Vgl. A. K r a c k e: Chinesisch als Gegenbild zu indogermanischen Sprachen in: Der Altsprachliche Unterricht, Jg. IV, 5, S. 26. Vgl. auch H . Gipper: Bausteine zur Sprachinhaltsforschung. Neuere Sprachbetrachtung im Austausch mit Geistes- und Naturwissenschaft ; Düsseldorf 1963, S. 215 ff.
2) Diejenige Stilistik, die innerhalb einer Sprache die verschiedenen Aus-drucksmittel, ihre Wirkung und Verwendungsart zu erfassen versucht. J.P. Vinay et J. Darbelnet geben in ihrem "Cahier d'exercices Nr. 1. Pour accompagner la stylistique comparée du français et de