Bővebb ismertető
1.
Seit zwölf Jahren starb der Wald.
Man nannte ihn das Nonnenholz, wahrscheinlich hatte der Forst zum Besitz der Benediktinerinnen gehört, das muß vor einer Ewigkeit gewesen sein. Das Dorf in der Gemarkung hieß zwar noch Klosterdöhre, aber nur der Name deutete auf einen Ordenssitz hin; Mauerreste des Refektoriums, die überdauert hatten, waren bald nach dem zweiten Weltkrieg von Neubauern abgetragen worden. Zu der Zeit war im Lande nur an Trümmern Überfluß, und Siedler, die keine Steine finden konnten, mußten ihre Behausungen aus gestampftem Lehm erbauen, wie es in grauer Vorzeit üblich gewesen war. Der alte Doktor Petzold hatte seit seiner Jugend Spinnräder, Dreschflegel, Tiegel und Urnenscherben gesammelt und auf diese Weise den Grundstock für ein Dorfmuseum zusammengebracht, er war ein Heimatforscher aus Passion und sprach öffentlich von Vandalismus, nannte kul-turschänderisch, was die Zugereisten da getrieben hatten. Er war ein gebildeter Mann, nicht unbewandert in der Historie, der doch hätte wissen müssen, daß oftmals die Verzweiflung der Menschen oder auch ihr Hochmut größer gewesen sind als die Achtung vor dem Überkommenen. Bei den Großbauern von Klosterdöhre, den Riebaus, Fritsches oder Wittko-pes, war es um die Jahrhundertwende geradezu Mode geworden, die Haustritte aus den Grabplatten ehemaliger Äbtissinnen oder Stiftsdamen zu fügen, man trat gedankenlos mit Füßen auf Wappen und Namenszüge ehrwürdiger Geschlechter, und die begüterten Kaufherren im nahen Solt-wedel gar hatten im Mittelalter St. Lorenz, eine romanische Kapelle, die älteste im Norden, zu einer Salzniederlage herabgewürdigt.