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Vorwort
In jeder leidenschaftlichen Liebe verbirgt sich der Sprengstoff für Dramen, Skandale. Er ist umso brisanter, je eigenwilliger, ichbezogener und bekannter die Liebenden sind. Nicht nur, weil das Wechselspiel ihrer erotischen Kräfte besonders viel Aufmerksamkeit findet, sondern auch weil kreative, durchsetzungsfähige Menschen häufig die Gedanken, Sehnsüchte und Moden einer ganzen Zeit reflektieren.
Wie Künstler leben, lieben, an ihrer Liebe scheitern, hat meist nicht nur eine private Dimension, denn sie fokussieren intensiver als alle anderen Menschen den Geist oder Ungeist eitter Epoche. Sie weisen durch ihr Sensorium für das Künftige tmd das Ungewöhnliche weit über die Gegenwart hinaus, das macht sie unbequem und für viele gefährlich. Wie lange dtildet eine Gesellschaft ihre Abweichung von der Norm? Und wie tmterscheidet sich diese Duldung bei Männern und Frauen, Hetero- tmd Homosexuellen, Menschen im Zenit oder im Abklingen ihres Ruhms? Das sind die Fragen, die hinter den hier geschilderten Lebens- tmd Liebesgeschichten stehen.
Wie viel Freiheit Künstlern zugestanden wird, sagt einiges über eine Gesellschaft aus. Das ist eine durchaus pohtische Frage, die im Rückblick ein Stück Zeitgeschichte plastisch macht. Wie ein Seismograf reagieren Künstler in ihrer Arbeit wie in ihrem Lebensgefühl auf die Restriktionen absoluter Regime. Sie antworteten auf die Zwänge der Monarchie und des Ersten Weltkriegs mit einem anarchischen Befreitmgs-schlag. Aber die erkämpfte Liberalität der 20er-Jahre ging in einer Lawine der Intoleranz und Inhumanität des Naziregimes unter. Noch viele Jahre nach dem Ende des