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IN DER NACHT, bevor ich in die Neunte kam, konnte ich nicht schlafen. Keine Ahnung, wieso.
Es war schließlich nicht das Gleiche, wie in die Siebte zu kommen. Oder aufs Gymnasium. Ein weiteres Jahr Grundschule, mehr nicht. Das letzte Jahr, das schon, aber definitiv kein Grund, wach zu liegen. Trotzdem wälzte ich mich im Bett hin und her, bis das Laken unter mir eine einzige verdrehte Wurst war.
Um drei Uhr stand ich auf, um mir ein Brot zu machen und ein Glas Milch zu trinken. Tarzan blickte verwundert von seinem Schlafteppich zu mir hoch, als ich an ihm vorbeiging, aber er machte keine Anstalten, mir in die Küche zu folgen. Offenbar gab es nachts eine Zeit, in der selbst er es unpassend fand, aufzustehen. Viktor hatte einen seiner Comics auf dem Küchentisch liegen lassen. Ich blätterte darin herum, während ich mein Brot aß. Die Straße war wie ausgestorben, es war vollkommen still draußen. In dem Mietshaus gegenüber leuchteten zwei Fenster. Vor das eine waren grün gemusterte Vorhänge gezogen. Ich stellte mir vor, dass sich dahinter eine heiße Liebesaffäre abspielte - ein Mann und eine Frau in einem großen französischen Bett mit hohen Kopf- und Fußteilen und Goldknöpfen. Das andere Fenster war weit geöffnet. Dort saß ein dunkelhaariger, hagerer Mann mit bleichem Gesicht und rauchte. Er hatte den Aschenbecher auf das Fensterbrett gestellt. In kurzen Abständen strich er die Asche mit einer fahrigen Bewegung am Rand des Aschenbechers ab. Kaum hatte er die eine Zigarette zu Ende geraucht, zündete er sich auch schon die nächste an. Er hatte