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Vernissage
Die Zeitschrift zur Ausstellung
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Francis Bacon ist in Österreich mit einem einzigen Gemälde, einem Porträt im Museum Moderner Kunst, vertreten. Während in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Großbritannien und vor allem in den USA große Retrospektiven Francis Bacons gezeigt wurden, ist das Werk dieses Künstlers in Österreich noch nie umfassend präsentiert worden. Über den Stellenwert Francis Bacons als einer der bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts kann wohl kein Zweifel bestehen.
Es hat mehrere Jahre des Überlegens, des Abwägens und des Abwar-tens gebraucht, bis wir durch einen glücklichen Zufall in Frau Barbara Steifen jene Kuratorin ausfindig machen konnten, die sich nicht nur bereit erklärte, die geplante Francis Bacon-Schau zu kuratieren, sondern darüber hinaus jene konzeptionelle Erweiterung, ja Erhöhung unseres Ausstellungsplanes vorzunehmen, die das Kunsthistorische Museum als Austragungsort dieser ersten Francis Bacon-Retrospektive in Österreich nicht nur als angemessen, sondern als geradezu ideal erscheinen lässt.
Der Bildtradition der Werke Bacons in bestimmten Bereichen nachzuspüren und auf jenen Fundus zurückzugreifen, auf den Francis Bacon selbst zurückgegriffen hat, entwickelte sich, zu einem faszinierenden Ausstellungsprojekt. Das Konzept überzeugte nicht nur die zahlreichen privaten und öffentlichen Leihgeber, sondern auch jene Institutionen, die über wesentliche Bezugsobjekte zum Werk Francis Bacons verfugen. Die erst seit kurzem möglich gewordene Aufarbeitung des in seinem Atelier aufbewahrten „Inspirationsmaterials", das zahllose Fotografien, Skizzen und Abbildungen aus Kunstbüchern umfasst, bietet gleichsam die rechtfertigende Grundlage für die hier präsentierte Konzeption, durch die die Bildtradition und das Werk Francis Bacons in einen kontextualen Zusammenhang gebracht werden, ohne die Individualität, die Eigenbegrifflichkeit der Werke Francis Bacons zu relativieren.
Es freut mich besonders, dass die ursprüngliche Anfrage über die Ausleihe eines Werks Francis Bacons aus der Sammlung Ernst Bey-eler zu einer Übernahme dieser Ausstellung aus dem Kunsthistorischen Museum nach Riehen, in einen der prachtvollsten Museumsbauten unserer Zeit, geführt hat.
Prof. Dr. Wilfried Seipel
Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums
1. jjyi www.vernissageverlag.de
Barbara Steffen
Francis Bacon und die Bildtradition 6
Die Tradition der Papstbilder und
Bacons Interesse an Velázquez 14
Die Kreuzigung und das Thema des Fleisches 26
Alexandra Hennig Hinter der Fassade:
Porträts von Francis Bacon 36
Felicitas Kunth
Francis Bacon und die Moderne 48
Barbara Steffen
Francis Bacons Nachfolge 58
Francis Bacon - Biografie 62
Impressum 65
Francis Bacon, Study for a Portrait (Michel Leins). 1978, Paris, Centro Georges
Pompidou, O The Estate of Francis Bacon / VQ Bild-Kunst, Bonn 2003
Rembrandt, Harmensz van Rijn, Kleines Selbstbildnis
ca. 1655,© Wien, Kunsthistorisches Museum
Tiziano Vecellio, Portrait des Kardinal Filippo Archinto
Um 1551/62,0 Philadelphia, Philadelphia Museum
Francis Bacon, Study after Velazquez', Portrait of Pope Innocent X. (Studie
nach Velazquez' Porträt Papst Innozenz X.). 1953, Iowa, Des Moines Art Center
© The Estate of Francis Bacon / VG Bild-Kunst, Bonn 2003
© Kunsthistorisches Museum, Wien