Andreas Oplatka Ungarn 1956 - Sieg einer Niederlage" Bücher habén ihre Schicksale, wie wir wissen. lm 20. Jahrhundert lernten wir hinzu, dass auch Bildern ihr für Menschen gefahrliches Schicksal eigen sein kann. Dann namlich, wenn eine totalitáre Staatsmacht an Revolutionáren Rache übt und sie anhand der Fotos identifiziert, die wahrend der Tage des Aufstands in der Presse erschienen. So geschah es in Ungarn Anfang 1957, nachdem der Volksaufstand von Sowjettruppen in schweren Kámpfen niedergeschlagen worden war. Der ungarische...
Andreas Oplatka Ungarn 1956 - Sieg einer Niederlage" Bücher habén ihre Schicksale, wie wir wissen. lm 20. Jahrhundert lernten wir hinzu, dass auch Bildern ihr für Menschen gefahrliches Schicksal eigen sein kann. Dann namlich, wenn eine totalitáre Staatsmacht an Revolutionáren Rache übt und sie anhand der Fotos identifiziert, die wahrend der Tage des Aufstands in der Presse erschienen. So geschah es in Ungarn Anfang 1957, nachdem der Volksaufstand von Sowjettruppen in schweren Kámpfen niedergeschlagen worden war. Der ungarische Volksaufstand, der am 23. Október 1956 in Budapest mit einer friedlichen Studentendemonstration begann, war keine Brotrevolte. Das Land lebte zwar miserabel, aber der Protest richtete sich in erster Linie gegen die Diktatur der kommunistischen Partei und die unwürdige Abhángigkeit von der Sowjetunion. Die Verantwortung dafür, dass die Kundgebung in einen bewaffneten Aufstand mündete, trug die Geheimpolizei, welche die ersten Schüsse auf die Demonstranten abfeuerte. Als Panzer der in Ungarn stationierten Sowjettruppen in Budapest einrollten und die Aufstándischen, Arbeiter und Studenten den Kampf gegen sie aufnahmen, bekam die Revolution jáh auch den Charakter eines nationalen Befreiungskriegs. Die Wucht der Revolution traf jedermann unvorbereitet. Die tags zuvor noch allmachtige Staatspartei stürzte über Nacht in sich zusammen. Die Westmáchte sahen rat- und tatenlos zu, und selbst die Sowjetunion zögerte für einen Augenblick und erwog, ob sie Ungarn abschreiben sollte. Ein Wunder, die Selbstbefreiung des Landes, schien sich Ende Október abzuzeichnen. Das Mehrparteiensystem wurde wiederhergestellt, eine Koalitionsregierung unter Imre Nagy gebildet, die Freiheits- und Bürgerrechte galten erneut, so auch die Pressefreiheit, von der die Medien mit trunkener Freude Gebrauch machten. Doch in Moskau hatte sich indessen das Blatt gewendet; die Führung beschloss, Ungarn militárisch ins Láger
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