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VORWORT
Die Bildtafeln dieses Buches breiten vor uns eine weite und ferne Welt von wunderbarer Farbigkeit aus. Wenn wir sie durchblättern, eilen wir durch Länder Süd- und Mittelamerikas über weite Hochflächen, durch gewaltige Faltengebirge, über Seen und Küsten, vorbei an Baudenkmälern versunkener Kulturen, durch die Straßen moderner Städte, durch Dörfer mit lebendigem Volksleben; wir stehen vor Kircheneingängen, an denen das Volk kniet, vor Fassaden, Kuppeln und Türmen von Kathedralen des spanischen Kolonialbarocks, vor den Tempeln und Zweckbauten, aus denen die vorkolonialen Kulturen der Inka, Maya und Azteken stark und zwingend zu uns sprechen. Vier Welten durchschreiten wir: Die ewige Natur mit Sonne, Himmel und Wolken, Bergen und Tälern, Wasser und Land; wir sehen die Menschenwelt der Dörfer und Städte, auf dem Markt, beim Stierkampf, unter des Tages Last und bei der Entspannung des Festes, ihre Armut und ihr Gebet, wir sehen sie aufrecht und gebeugt, fröhlich und ernst, ein Volk von Bauern und Fischern, den Händler am Markt, den Viehtreiber auf den Straßen, kurz das Volk, wie es die Jahrhunderte überdauert, nicht die oberen Schichten, die mit dem politischen Wandel, jeder großen kriegerischen Entscheidung, jedem kulturellen Erdrutsch sinken oder steigen.
Dieses Volk ist die rechte Staffage für die ewige Landschaft, die schon die Augen der Azteken, der Maya und der Inka sahen, die selbst in diesem Volke fortleben. Ihre fernen Enkel knien am Eingang der Kapellen, blicken auf zu den Fassaden und Türmen der Kathedralen, deren religiöse Inhalte und künstlerische Konzeption die Kolonisatoren aus Spanien herüberbrachten, um sie mit Waffengewalt und Geisteskraft, mit Macht und Bekehrung an die Stelle der religiösen Welt, der Kultur-und Architekturformen zu setzen, die sie in den ausgedehnten und mächtigen Staaten vorfanden, die sie zerstörten, um das Reich Karls V. und Philipps II. über beide Hemisphären zu spannen, damit die Sonne über dem Kreuze nicht untergehe. So schufen sie die dritte der vier Welten, die wir in den Bildern vor uns haben.
Die vierte, die zerstört wurde, aber nicht vergangen ist, tritt machtvoll vor uns. Beide stehen sich hier in den sinnfälligsten Äußerungen jeder Kultur, in ihren architektonischen Schöpfungen gegenüber.