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1. KAPITEL
« Achtzehn Jahre und neunundzwanzig Tage sind entschie-den zuviel. Mit den achtzehn Jahren würde ich mich noch abfinden, die neunundzwanzig Tage sind aber bestimmt des Guten zuviel, altes Haus. »
Nach dieser Erklárung lieB Marie-Odile ihre Stickerei sinken und schaute unwillig auf ihre jüngere Schwester, die eben dabei war, einen Aufsatz aus verschiedenen Lite-raturgeschichten zusammenzuschreiben.
« Du kannst wohl nicht antworten, he, und wie ein wohl-erzogenes, junges Mádchen wenigstens Mitgefühl zeigen ? » Susi kaute an ihrem Füller. « Ich glaubte, du sprichst mit GroBmutter. » « Hast du denn je gehört, daB ich ,altes Haus' zu jemand gesagt habe, der nicht mehr ganz jung ist ? GroBmutter hátte ich doch mit Vornamen angeredet. »
Herzliches Lachen erklang aus der Ofenecke, wo die GroBmutter mit dem Flickkorb saB und Wásche ausbesserte.
« Ihr habt ja einen reizenden Umgangston ! Na, das nehme ich nicht weiter krumm, von euch bin ich schon manches gewöhnt. »
Susi fuhr fort :
« Was hast du denn nun wegen dieser neunundzwanzig Tage, Mario ? »
Mario zuckte die Achseln.
«Du weiBt genau, daB ich für Levallois allerhöchstens achtzehn Jahre alt sein wollte. Seit Jahr und Tag habe ich mich darauf gespitzt: Sorgfáltige Erziehung, Abitur, Diplom usw., um ja zur rechten Zeit fahren zu können. Nun hat die langersehnte Stunde geschlagen, und ich bin immer noch nicht abgefahren. Das ist alles. »
« Morgen fahren auch noch Züge », meinte Susi tröstend. GroBmutter rückte ihren Stuhl náher heran. « Meine liebe Mario, ich weiB, daB du es ernst meinst, da du sogar eine Anzéige in die Zeitung gesetzt hast »