Bővebb ismertető
Vorwort Ein Tagebuch ist keine Autobiographie. Dieses Tagebuch aus einem andern Jahr ist nicht eine Fortsetzung der Autobiographie Ein leichtes Leben. Diese war geschrieben und gedruckt, als jenes andere Jahr den Autor mit sich selbst konfrontierte, planlos; eine Autobiographie ist die planvolle Prásentation ihres Autors für andere. DalS der Autor - kein Tagebuchschreiber sonst - in jenem andern Jahr überhaupt ein Tagebuch führte (dreihundertfünfundsechzig Eintragungen, Wichtiges, Nichtiges, Tag um Tag), hatte einen besonderen Grund: er dachte, er werde in jenem Jahre sterben. An eine Veröffentlichung dachte er fürs erste nicht. Als er an sie ernsthaft dachte, war das Jahr beinahe schon vorüber. Die sich daran schlieftenden Erwágungen technischer Natúr - und moralischer Natúr - stehen im Tagebuch selbst, über viele Aufzeichnungen verstreut. Die wichtigsten dieser Probleme und Schwierigkeiten: Das Tagebuch wurde alsó zunáchst nicht mit einem Seitenblick auf eine Publikation zu dieser Zeit, in dieser Form geschrieben. Daraus erklárt sich die MaElosigkeit vieler Áufterungen, die Ungerechtigkeit, ja Bösartigkeit in der Beurteilung vieler Menschen, die Preisgabe von Geheimnissen - all das nur zum kleinen Teil moralisch kompensiert durch den Versuch einer áhnlichen MaRlosigkeit in der Darstellung der Handlungen, Schwáchen, Laster des Autors selbst. Kompensiert nur zum kleinen Teil - denn es ist fraglich, ob Mitleidslosigkeit gegenüber sich selbst, ein Akt freien Willens, aufrechenbar ist gegen Mitleidslosigkeit gegenüber all jenen anderen, die man nicht nach ihren Wünschen fragt. Eine befriedigende Lösung der sich hieraus ergebenden Bedenken hat der Autor nicht gefunden. Hatte er sich nun einmal zur Veröffentlichung zu seinen und anderer Betroffener Lebzeiten entschlossen, so ergab sich von selbst die Notwendigkeit, nach bestem Vermögen die Wahrheit zu sagen - eine Wahrheit nach des Autors Licht, wie er es sah, was er für wahrhaftig hielt; eine priváté Wahrhaftigkeit alsó, mit der sofortigen Einschránkung: wahrhaftig, doch pointiert; ein der Pointe Verfallensein gehört zu des Autors Lastern; eines/von dem er sich freizusprechen geneigt ist, wo ihm das Endprodukt eine Über-Wahrhaftigkeit zu sein scheint, nicht eine Gegen-Wahrhaftigkeit. Doch ist er ein schwacher Mensch. Eines schwáchen Menschen Versuch zur Wahrhaftigkeit alsó: das ist der Sinn dieses Tagebuchs. Wichtig-Ungefálligem aus dem Weg zu gehen, kam danach nicht in Betracht. Sogar Unwichtiges, Geschwátz, Gerücht, Alltágliches wegzulassen wáre nicht möglich gewesen, ohne diese Wahrhaftigkeit zu zerslören: Auswahl ist eine Hinauf-Veredelung des Schreibers. So wie hier aufgezeichnet, eingebettet in Nichtigkeiten, verlief das ihm Wichtige.