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WEIMARER REPUBLIKWurzeln in Württemberg; der GroßvaterMein Leben begann im Zeichen einer dem Auge wahrnehmbaren Spannung. Geboren wurde ich am 15 . April 1920 in einer Mansarde des königlichen Schlosses zu Stuttgart, aber nicht als Gast des Königs, sondern unter der roten Fahne, die auf dem Dachfirst wehte.Die Revolution, die den Ersten Weltkrieg beendete, hatte auch das Königreich Württemberg in eine Republik verwandelt. Sie war recht friedlich verlaufen. Als das Schloß besetzt wurde, gab es Gewalt nur beim Hissen der neuen Fahne, sonst wurde in der königlichen Residenz nicht das geringste beschädigt.Nun neigen die Württemberger im allgemeinen ohnehin nicht zu extremen Ausschlägen. Sie suchen den vernünftigen Ausgleich. Auch unter Revolutionären ging es bedächtig und gesittet zu. Ihr letzter König, Wilhelm II., machte es ihnen nicht schwer. Nachdem er am 30. November 1918 in würdiger Form seine Abdankung erklärt hatte, schrieb der führende Sozialdemokrat Wilhelm Keil in einer Stuttgarter Zeitung, die revolutionäre Bewegung habe sich nicht im geringsten gegen die Person des Königs gerichtet, sondern gegen den Gedanken der Monarchie, den der gleichnamige Kaiser in Berlin Bankrott gemacht habe. Die persönliche Achtung, die das Volk dem König selbst bisher entgegengebracht habe, bleibe ungemindert bestehen.Doch nun war Frühling 1920. Meine Eltern hatten das Winterhalbjahr mit ihren drei Kindern, meinen älteren Geschwistern, in Den Haag verbracht, wo mein Vater als Marineattaché an der deutschen Gesandtschaft in den Niederlanden tätig war. Dort gingen der Dienst und das Gehalt zu Ende. Meine Mutter stand unmittelbar vor der Geburt eines Kindes. Die Famüie schickte sich eilig zur Heimreise an, aber wie? Überall in Deutschland gärte es, von rechts und links. Immer wieder kam es zu blutigen Zusammenstößen. Die Schulden des Reichs beliefen sich auf 500 Milliarden Mark. Der Kapp-Putsch brach aus. Er war ein