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Halb Mönch, halb Künstler Die Anfánge in Holland 1881-1885
Sein Leben war ein einziger MiBerfolg. In allém, was seiner Welt, seiner Zeit belangvoll schien, war er ein Versager: Er war unfáhig, eine Familiezu grundén, unfáhig, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ja sogar unfáhig, mit Menschen Kontakt zu haltén. Doch als Malerfand er ein Mittel,dem ChaosderWirklichkeiteine - seine - Ordnungentgegen-zusetzen. Seine Kunst war das Regelwerk in einer Welt, gegen eine Welt, mit der er augenscheinlich nicht zurechtkam. Ihrer Undurchschaubarkeit hielt er eine gnadenlose, auch theoretisch fundierte Stringenz des Künstlers entgegen, ihrer Anonymitat antwortete er mit fein abge-wogenem Pathos, ihrem steten FluB begegnete er mit der Vitalitát des einzelnen. Nicht verdrangen wollte er die Wirklichkeit, auch nicht entsagend an ihr leiden, sondern sie verstándlich, greifbar werden lassen. Durch die Kunst sollte die ihm so feindliche Welt zu seiner werden.
Erst nach seinem Tod zollte man ihm Anerkennung. lm Geniebegriff fand das bürgerliche Publikum, dessen Wertvorstellungen ihn zeitlebens abstieBen, einen Zugang zu ihm und seinem Werk. Vincent, der Ungeliebte, wurde zum Heros, je mehr sich die Kunst als Welt des schönen Scheins etablierte. In den Randzonen der Gesellschaft, in die sich die Kunst seit hundert Jahren eingenistet hat, wird auch der AuBen-seiter van Gogh zu einer Persönlichkeit: abgehoben zwar, aber exemplarisch das Unbehagen an der Realitát verkörpernd, das jeden ab und zu überkommt. Die Moderne kokettiert gern mit dem Bild des verein-samten, unverstandenen Künstlers. Auch darin war van Gogh beispiel-haft. Er ist einer der ersten Mártyrer der Avantgarde.
Der erste Sohn des protestantischen Pfarrers Theodorus van Gogh war eine Totgeburt. Als auf den Tag genau ein Jahr spáter, am 30. Márz 1853, seine Frau Anna Cornelia van Gogh erneut ein Kind zur Welt brachte, voller Zweifel und Angst um die Lebensfáhigkeit dieses Knaben, erhielt es denselben Namen wie das erste: Vincent Willem van Gogh. Schon seine Geburt alsó war von dem Dilemma seines zukünftigen Lebens überschattet. Vincents grundlegende Erfahrung war und biieb die des Scheiterns. Die vielversprechende Karriere als Kunst-hándler, in den Niederlanden wie auch speziell in seiner Familie von einer langen Tradition begleitet, endete mit seiner Entlassung. Das darauf begonnene Studium derTheologie überforderte ihn, und er brach es nach einem Jahr wieder ab. Darauf versuchte er sich als Hilfslehrer und Laienprediger, verdingte sich im belgischen Kohlerevier der Borinage
Der Sámann
Den Haag, Dezember 1882 Bleistift, Pinsel und Tusche, 61 x 40 cm Amsterdam, Stiftung R und N. de Boer
Brustbild einer Báuerin mit
weilier Haube
ISJuenen, Márz 1885
Öl auf Leinwand auf Holz, 41 x 31,5 cm
Zürich, Stiftung Sammlung E. G. Bührle