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HOLLAND
7853 bis 1886
ECHS Kinder wuchsen auf in dem bescheidenen Pfarrhaus in GrootäZundert. Ihr Vater, Theodoras van Gogh, hatte 1849 in der kleinen Gemeinde in Nord= brabant, unweit der belgischen Grenze, seine erste Stellung angetreten. Feinsinnig und ein wenig versponnen, hatte er wohl niemals den rednerischen Schwung zur mitreißenden Predigt, liebenswürdig und nachgiebig, nie den Willen sich aufsteigend durchzusetzen. So blieb er zeit seines Lebens Seelsorger in kleineren Ortschaften, von seiner engeren Umgebung geliebt und verehrt, von seinen Vorgesetzten aber kaum beachtet. Die Mutter, Anna Cornelia, war eine rechte Pfarrersfrau; hilfsbereit und anteilnehmend, tüchtig in Haus und Garten, geschickt bei der Handarbeit, gewandt mit der Feder und den Kindern eine besorgte und stets Verständnis« volle Mutter, so wird sie uns geschildert.^
Vincent, der älteste Sohn, wurde am 30. März 1853 geboren. Ihm folgten nach zwei Jahren eine Schwester und am I.Mai 1857 Theo, der Bruder, danach noch zwei Mädchen und ein Bub. Die kleineren Geschwister hatten wenig Verbindung mit dem ältesten Bruder. Von unter» setzter, stämmiger Statur, breitschultrig, mit kräftigen Gesichtsfarben und rotblondem Haar stand Vincent weit weniger fest auf der Welt, als man es hätte vermuten können, war ver» schlössen und träumerisch, launenhaft und eigensinnig. Voller Liebe zu den Dingen der Natur, sammelte er Käfer, Vogelnester und all jene anderen Schätze, die einem Buben die Brabanter Heide zu schenken vermochte, diese ein wenig karge Landschaft, an die Vincent sein Leben lang stets mit schmerzlicher Wehmut zurückdenken sollte. Der einzige, dem er sich liebe« voll und mit Vertrauen aufschloß, war sein um vier Jahre jüngerer Bruder Theo. Vor ihm mag der Zwölfjährige seine bescheidenen Schätze ausgebreitet haben, ihm zeigte er wohl das Elstern« nest in der hohen Akazie auf dem Kirchhof, ihn hat er manchmal mitgenommen auf seinen Spaziergängen durch die Felder, bei denen er dann von Wünschen und Zukunftsplänen sprach, ihm wies er seine kleinen Zeichnungen vor, in denen er Geräte, Tiere und Blumen, zum Teil nach Vorlagen, mit eifriger Sorgsamkeit festzuhalten sich bemühte. Doch schon bald kam Vincent hinaus aus der Geborgenheit des Elternhauses in ein Pensionat nach Zevenbergen, und nur in den Ferien noch oder bei gelegentlichen Besuchen sahen sich die Geschwister. Wenige Jahre später stand der Sechzehnjährige vor der ernsten Frage sinnvoller Berufswahl. Hier nun griff sein Onkel Vmcent ein, einer der Brüder des Vaters, der, selber kinderlos, das Leben im Pfarrhaus zu Zundert anteilnehmend und mit besonderer Liebe verfolgt hatte. Ihm war es gelungen, sich im Haag vom Inhaber eines kleinen Ladens für Malmaterial zu einem