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VORWORT
Die beifällige Aufnahme meiner im Jahre 1950 erschienenen Schrift über die Hepatitis epidemica, die Aufforderung zahlreicher Fachkollegen zur Abfassung einer Neuauflage und nicht zuletzt die Weiterentwicklung dieses Gebietes veran-laßten mich, den Stoff in einer völligen Neubearbeitung erneut darzustellen. Die Diskussion über die Probleme der Virus-Hepatitis ist auch in den letzten Jahren nicht zur Ruhe gekommen, so daß das Interesse an diesem Gebiet unverändert erhalten geblieben ist. Diese Tatsache kommt unter anderem darin zum Ausdruck, daß das Thema der Virus-Hepatitis in den letzten Jahren auf verschiedenen Kongressen und Symposien zur Sprache kam und daß die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin im Jahre 1957 einen vollen Kongreßtag dafür vorgesehen hat.
Es war meine Absicht, den Stoff einerseits entsprechend den vorliegenden Erkenntnissen und den heute vertretenen Auffassungen darzustellen, wobei das riesenhaft angewachsene Schrifttum im Rahmen des Möglichen unter Auswahl aller wesentlichen Beiträge zu diesem Problem berücksichtigt wurde. Andererseits war es mein Anliegen, besonders auch die eigenen Anschauungen darzulegen, wie sie sich auf Grund umfangreicher epidemiologischer Studien und experimenteller und klinischer Arbeiten, teilweise in Zusammenarbeit in früherer Zeit mit R. Mancke und K. Luz und in den letzten Jahren mit den Mitarbeitern meiner Darmstädter Klinik H. Schneider, A. Kramer, B. Walther und A. Klamp ergeben haben. Hatte ich doch während meiner langjährigen Tätigkeit an der Leberabteilung der Leipziger Klinik, der die Persönlichkeiten von Paul Morawitz und nachfolgend Max Bürger ihr besonderes Gepräge gaben, eine ungewöhnlich günstige Gelegenheit, mich in spezieller Weise mit den Fragen der Leberpathologie an einem ganz besonders geeigneten umfangreichen Krankengut zu beschäftigen. Ähnliches gilt für meine Tätigkeit an der Reinweinschen Klinik. Darüber hinaus konnte ich zu einer Zeit, in der den meisten Ärzten die hier behandelte Krankheit noch wenig bekannt war, eine der wesentlichen Vorkriegsepidemien von Hepatitis infectiosa untersuchen und bearbeiten. Auf diese Weise war es möglich, daß ich, wie ich annehme, einige wesentliche Beiträge zur Epidemiologie und Klinik der Virus-Hepatitis liefern konnte. Die von mir mit Meding und Luz veröffentlichten Arbeiten zur Frage der Ätiologie, die den ersten Nachweis der Virus-Ätiologie der Krankheit darstellen, wurden in den letzten Jahren unter anderen auch von nordamerikanischen Autoren (Henle und Mitarbeiter) bestätigt.
Bei der Diskussion der verschiedenen Hepatitis-Probleme in der letzten Zeit galt das Interesse in besonderem Maße auch den Folgezuständen nach Hepatitis und den posthepatitischen Leberkrankheiten, so daß neben der Abhandlung der akuten Virus-Hepatitis gerade auch diesen besonders wichtigen Fragen in der vorliegenden Schrift breiter Raum gewidmet werden mußte. Das gleiche gilt für die Therapie.
Zum Schluß ist es mir ein besonderes Anliegen, Herrn Prof. Max Bürger, Direktor der Medizinischen Universitäts-Klinik in Leipzig, und Herrn Prof. Helmuth Reinwein, Direktor der Medizinischen Universitäts-Klinik in Kiel, für die während der Zeit meiner Tätigkeit an ihren Kliniken erhaltenen Anregungen, Herrn Prof. Ferdinand Hoff, Direktor der I. Medizinischen Universitäts-Klinik in Frankfurt, für die während meiner Darmstädter Tätigkeit empfangenen Förderungen meinen Dank auszusprechen.
Darmstadt, im April 1957
WERNER SIEDE