Bővebb ismertető
VORWORT Die Welt der Vögel scheint dem Menschen näherzuliegen und ihn stärker zu interessieren als jede andere Tiergruppe einschließlich der Säugetiere. Diese Rolle der Gefiederten im Verhältnis zu uns Menschen überrascht, zumal wir ja selbst ein Mitglied der Säugetierordnung sind. Anders aber als die meisten Säugetiere nimmt der Mensch seine Umwelt weniger über den Geruchs- und Hörsinn als durch das Auge wahr. Zwar spielt der Gesichtssinn auch bei den meisten Säugetieren eine bedeutende Rolle, beim Menschen aber ist er aufgrund seines Farbsehvermögens die dominierende Sinnesfunktion. In dieser Beziehung stehen sich Menschen und Vögel wesentlich näher, denn beide setzen die gleichen Hauptsinne zur Orientierung in ihrer Umwelt und zur Kommunikation untereinander ein. Beide nehmen die Welt farbig wahr und verständigen sich durch Laute bzw. Sprache. Mit dem Farbsehvermögen der Vögel geht eine — teilweise — sehr auffällige und farbenprächtige Gefiederbeschaffenheit bei vielen Arten einher.Das Verhältnis »Vogel — Mensch« wird entscheidend auch dadurch bestimmt, daß Vögel diejenigen Wildtiere sind, zu denen der Mensch trotz seiner zunehmenden Entfremdung von der Natur durch zivilisatorische Einflüsse immer noch den engsten Kontakt hat. Denn in Wald und Feld, in Gärten und Parks, ja selbst in Städten, kann er immer noch Meisen, Finken, Sperlinge, Tauben, Enten, Krähen und gelegentlich einen Greifvogel oder eine Eule beobachten, und sei es auch nur als Wintergäste an dem aufgestellten Futterhäuschen. Wo aber in der weithin ausgeräumten Landschaft begegnet der Mensch heute noch Säugetieren — abgesehen natürlich von unseren Haustieren —, da selbst Hasen, Füchse und viele andere Wildtiere selten geworden sind, von Bären, Wölfen oder Luchsen ganz zu schweigen, die früher bei uns einmal heimisch waren. Will sich der Mensch also mit »Natur« beschäftigen, bieten sich als erste die Gefiederten an; ihre Fähigkeit, sich aus eigener Kraft in die Luft zu erheben, fasziniert den Menschen seit je her ebenso wie ihre »menschlichen« Verhaltensweisen (Füttern, Putzen, Baden, Singen) und ihre Mannigfaltigkeit in Formen und Farben. Waren es in Band 6 überwiegend jene Vogelgruppen, die eine wasserbezogene Lebensweise angenommen haben, so werden im vorliegenden Band diejenigen Familien vorgestellt,die man zusammenfassend am ehesten als »Landvögel« bezeichnen könnte, obwohl ihr ureigenster Lebensraum natürlich die Luft ist. Vor dem Hintergrund neuerer Forschungen werden insbesondere die Verhaltensweisen beschrieben, die die Vögel befähigen, sich mit den komplexen Umweltbedingungen auseinanderzusetzen und sich zu entfalten. Die Lebensweisen der Vögel sind im Detail erheblich vielfältiger und komplizierter, als es sich der oberflächliche Betrachter vorstellt. Die natüriiche Selektion ist bei den Vögehi ein wichtiger Impulsgeber für die Artenentwicklung. Jedes Kapitel informiert über alle wesentlichen Details wie Körperbaumerkmale, Verbreitung, Entwicklungsgeschichte, Klassifizierung, Brut und Jungenaufzucht, Nahrungsspektrum und Freß-verhalten, Sozialstruktur und räumliche Verteilung, Artenschutz und Beziehungen zum Menschen. Jede Vogelfamilie oder -gruppe wird zunächst in einer Übersicht vorgestellt. Auf einen Blick erkennt man die Hauptmerkmale wie Verbreitung, Lebensraum, Größe, Gefieder, Lautrepertoire, Nistverhalten, Eiform und Nahrungszusammensetzung. Wenn mehrere Familien insgesamt betrachtet werden, erläutert eine weitere Übersicht vor Textbeginn die entsprechenden Einzelheiten. Dabei werden ggf. auch Unterfamilien berücksichtigt. Eine Karte zeigt jeweils die natürliche Verbreitung jeder Familie, wobei künstliche Ansied-lungen von Vogelarten durch den Menschen nicht dargestellt werden. Falls nichts anderes vermerkt ist, zeigt die geographische Skizze die generelle Verbreitung einer Familie einschließlich der Brut- und Winterquartiere der Zugvogelarten. Gelegentlich werden mit entsprechendem Hinweis nur die Brutplätze gekenn- zeichnet. Ferner vergleicht eine Maßstabsskizze die Körpergröße repräsentativer Arten einer Familie mit einem Menschen von 1,80 m Größe. Sind Umrisse zweier Vögel abgebildet, zeigen sie jeweils den größten und den kleinsten Vertreter der Familie. Falls keine besondere Kennzeichnung erfolgt, gelten die Maße gleichermaßen für Männchen und Weibchen. Bei Größenunterschieden zwischen den Geschlechtem wird jeweils das größere Tier gezeigt. Die im Haupttext erwähnten Artennamen sind in gesonderten Übersichten nochmals zusammengefaßt. Wie in jeder Wissenschaft ergeben sich auch in der Zoologie immer wieder neue und überraschende Erkenntnisse. Manche Verhaltensstudien über Tierarten sind so interessant und zeigen so wichtige neue Entwicklungen, daß es lohnt, sie — optisch vom Haupttext abgesetzt — in Sonderkapiteln darzustellen. Die Themen dieser speziellen Feldforschungen geben Einblick in aktuelle Entwicklungsprozesse der Vögel, in Sozialstruktur, Freß-verhalten, Fortpflanzung und Artenschutz. Viele der hier beschriebenen Vögel haben die meisten Menschen noch nie gesehen, vor allem auch deswegen, weil sie zum Teil nur in weit entfernten Lebensräumen vorkommen. Gerade deshalb soll dieser Band dazu beitragen, uns auch diese weniger bekannten Arten durch fotografische und grafische Portraits näherzubringen. Den Illustrationen wurde deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt, sie wurden bis ms Detail sorgfältig ausgearbeitet und zeigen gelegentlich auch arttypische Verhaltensmuster, also Bewegungsfolgen oder Haltungen, die im Begleittext beschrieben werden. Bei den grafisch dargestellten Arten handeft es sich jeweils um repräsentative Vertreter einer Vogelgruppe.