Bővebb ismertető
Wer sich heute über die Völker in der Welt unterridhten will, geht von anderen Gesichtspunkten aus, als sie noch vor einigen Jahrzehnten üblich waren. Vor dreifiig Jahren hielt die Wissenschafi von den Völkern fast ausschliefílich die NaturvöIker oder Primitiven für den Gegenstand ihrer Betrachtung. Im Vordergrund stand die Erforschung der Sitten und Gebráuche jener Völker, die sidti der Lebensweise der Kulturvölker noch nicht angepafit hatteri, denen der Prozefi der Akkulturation alsó erst noch bevorstand. Dabei beschránkten sich viele Beobachter darauf, eine Bestandsaufnahme der Wunderlichkeit fremder Lebensáufierungen vorzunehmen, statt deren Hintergründe verstehen, begriinden und einordnen zu lernen. Von dieser Art Völkerbetrachtung in der Tradition des Kolonialismus ist die Wissenschaft inzwischen weitgehend abgeriickt. Die Völkerkunde von heute betrachtet die Auseinandersetzung mit allén Völkern der Erde, nicht nur mit den Primitíven*, als ihre Aufgabe. Sie weifi, dafi fast jede spezifische Verhaltensform, die in der einen Gesellschaft als richtig und angemessen angesehen wird, in einer anderen als falsdi und unpassend betrachtet werden kann (Ina C. Brown). Und sie hat erkannt, dali es falsch ist, sich etwa auf Hochzeitsrituale, Mannbarkeitsfeiem und Hausbautechniken zu beschránken, die soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Entwicklung der Völker dagegen zu vernachlássigen. Der vorliegende Band folgt diesem Trend. Er hat sich die Aufgabe gestellt, die Völker dieser Erde mit neuen Augen anzuschauen und sie so in unser Weltbild einzuordnen, wie sie sich um die Mitte der siebziger Jahre prásentieren: als Supermáchte oder als Mini-Mitglieder der Vereinten Nationen, als Industriestaaten oder als Entwicklungslánder, in voller Unabhángigkeit oder in enger Bindung an Machtblöcke, als Völker, die durch religiöse Prágung oder durch politische Ideologie unter anderen hervorragen - oder einfach durch ihren Reichtum. Diese Betrachtungsweise folgt alsó nicht den klassischen Traditionen der beschreibenden (Ethnographie) oder vergleichenden (Ethnologie) Völkerkunde. Sie ist vielmehr der Versuch, die Völker und ihre Schicksale ganzheitlich zu betrachten. Dabei spielen Gesichtspunkte der Bevölkerungskunde, aber auch der Politik und Wirtschaft eine bedeutende Rolle, und folkloristische Beobachtungen treten nur dann in den Vordergrund, wenn sie Verhaltensweisen bestimmter Völker zu erláutern vermögen '- etwa der Papua auf Neuguinea, die innerhalb weniger Jahrzehnte aus der Steinzeit in die Gegenwart eines jungen unabhángigen Staates katapultiert wurden. Gegenstand der Betrachtung ist aber auch das Verháltnis der Völker zu anderen Völkern - und zwar überall da, wo sich Konfliktstoff angesammelt hat, der die weitere Entwicklung zu beeinflussen droht. Dazu gehören etwa die Spannungen zwischen reichen und armen Völkern oder zwischen Industrienationen und ihren Rohstofflieferanten. Dazu gehören Probleme wie die Bevölkerungsexplosion und die Entwidklungshilfe, Ersdieinungen wie die Intoleranz und der Rassismus, der Hunger und die Krankheit. Dabei steht das Beispiel für die Gesamtentwicklung, das Detail für das Ganze, das Schlaglicht für die breite Ausleuchtung, das einprágsame Bild für die eingehende akademische Erláuterung. Ziel dieser Darstellung ist es, die Völkervielfalt dieser Welt überschaubar zu machen, Hintergründe aufzuzeigen, Mafistábe für ein eigenes Urteil zu setzen. Nur so kann sich ein Klima entwidkeln, das wir für die friedliche Neben- und Miteinanderentwiddung der Völker auf dieser Erde dringend brauchen.