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EINFÜHRUNG
Es ist ein vielverheißendes Zeichen unserer Tage, daß die abendländische Welt ein wachsendes Interesse an den orientalischen Formen der christlichen Tradition an den Tag legt. Wenn es dabei nur um die Befriedigung einer — wenn auch frommen — Neugierde ginge, so wäre wohl wenig Frucht davon zu erhoffen. Ganz anders liegen jedoch die Dinge, wenn dieses Interesse zu einem tieferen und editen Verständnis christlicher Offenbarung und christlichen Lebens führt — vor allem aber, wenn es von dem aufrichtigen Willen begleitet wird, durch tieferes Verständnis und hellsichtigere Liebe an der Wiederherstellung der Einheit aller Christen mitzuwirken.
So liegt also ein doppelter Grund zur Freude vor, daß sich die Schriftenreihe „Der Christ in der Welt" entschloß, eines ihrer Bändchen jenen orientalischen Kirchen zu widmen, die seit nahezu tausend Jahren keine Gemeinschaft mehr mit Rom haben. Zu bedauern ist dabei nur, daß ihnen nur ein so beschränkter Raum gewährt werden konnte. Der Leser darf daher von vorliegender Studie nicht etwa ein Gesamtbild des christlichen Ostens erwarten, den wir im allgemeinen nur so wenig und so ungenau kennen.
Der christlidie Orient wird hier allerdings nur in der Gestalt der byzantinischen Tradition betrachtet, wobei die nicht weniger bedeutende syrische, armenische und alexandrinisdie (koptisciie) unberücksichtigt bleiben muß. Aus der byzantinischen Tradition selbst wurden nur zwei Kirchen, und zwar die griechische und die russische, als Typen ausgewählt, obwohl sich die gleiche Tradition noch in anderen, etwas verschiedenen Formen ausprägte, so daß der Vollständigkeit halber auch die bulgarische, serbisdie, albanische, ukrainische, ,j rumänische Kirche hätten erwähnt werden müssen sowie jene des arabischen Sprachgebietes, die im Nahen Osten und in Ägypten unter / der Jurisdiktion der Patriarchen von Alexandrien, Antiochien und ¦ Jerusalem weit verbreitet sind. i
Es wurden ferner hier, wie gesagt, nur die von Rom getrennten Kirchen erwähnt. Nicht unerwähnt darf jedoch bleiben, daß außer der maronitischen Kirche des Libanon, die sich rühmt, immer in Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri gestanden zu haben, auch andere