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Vorwort
Kirchenjahr, heilige Tage, heilige Zeiten — sind das nicht fremde Worte für unsere säkularisierte und durchrationalisierte Welt? Vielleicht wecken sie bei manchen wehmütige Erinnerungen an verflossene Epochen, die noch geprägt waren von der Religion: Da begann und endete der Tag mit dem Ave-Läuten, da war das Jahr gegliedert durch die liturgischen Zeiten, bestimmt von adventlicher Erwartung oder österlichem Jubel, geprägt von den Festen der Kirche und von dem sie umrankenden Brauchtum. Da war der Raum des Menschen orientiert am Kirchturm in der Mitte des Dorfes, an Kapellen und Wegkreuzen, war belebt durch die Heiligengestalten an den Wänden und den Herrgottswinkel in den Stuben der Häuser.
Aber wie die moderne Großstadt andere Orientierungspunkte hat, Fernsehtürme, Bahnhöfe oder Sportstadien, so erinnert nichts mehr im Ablauf der Zeit des modernen Menschen an das Geheimnis Gottes: Es ist ein Ablauf der gleichen Stunden und Tage, von Schichten, die einander ablösen, nur unterschieden in Arbeits- und Freizeit, der Beliebigkeit überantwortet, ohne festen Rhythmus dahinfließend, die Feiertage nur am Verkehrsstau erkennbar. Bringt indes der Verlust des Besonderen, des Prägenden, der Gestalt und des Hinweises auf das Heilige uns nicht die totale Einebnung und damit tödliche Verödung?
Wenn die Gesellschaft und die äußere Umwelt unser Leben nicht mehr gliedern und prägen, keinen Rahmen mehr erstellen, der unseren Tagen Ordnung und Orientierung geben könnte, dann bedeutet das freilich nicht nur Gefahr, es ist zugleich Herausforderung unserer Freiheit. Wir selber müssen die gleichgültig dahinfließende Zeit gestalten, unserem Leben Akzente verleihen, Orientierungspunkte setzen, einen Sinn geben. Das
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