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Vom kalten Krieg zur Ostpolitik
Der konstitutive Doppelkonflikt
Es ist unbestritten, daß die Bundesrepublik ein Produkt des kalten Krieges ist. Tatsächlich verdankt sie ihre Entstehung einem doppelten Konflikt mit der sowjetischen Politik. Die Teilung Deutschlands war das Ergebnis der Unvereinbarkeit der Ziele, die sich die Sowjetunion und die Westmächte im Nachkriegseuropa im allgemeinen und im besiegten Deutschland im besonderen setzten. Doch die Schaffung eines demokratischen Staates aus den westlichen Besatzungszonen beruhte auch auf dem Wunsch der übergroßen Mehrheit ihrer Bevölkerung, aus den Ruinen des Hitlerreiches eine freiheitliche Demokratie westlichen Typs aufzubauen und nicht zu Untertanen einer neuen, diesmal kommunistischen Parteidiktatur zu werden.
Auf den ersten Blick fielen die Bestrebungen der Westmächte und der Deutschen also zusammen: Beide wollten die Ausdehnung der sowjetischen Machtsphäre und des kommunistischen Herrschaftssystems westlich der Demarkationslinie zwischen den Siegermächten aus Ost und West verhindern, und beiden ist dieses Interesse bis auf den heutigen Tag gemeinsam geblieben. Aber die deutschen Begründer der Bundesrepublik erstrebten darüber hinaus die Wiedergewinnung der politischen und rechtlichen Freiheit auch für die Deutschen der sowjetischen Besatzungszone in einem gemeinsamen Staat und eine mindestens teilweise Rückgewinnung der von den Sowjets bei Kriegsende an Polen übergebenen Gebiete, soweit sie schon vor Hitlers Angriff auf Polen zum Deutschen Reich gehört hatten; und diese Bestrebungen wurden von den Westmächten zwar mit mehr oder weniger Sympathie betrachtet, aber nicht als eigene vitale Interessen angesehen.
Der Gegensatz der Systeme in Ost und West war die Grundlage eines gemeinsamen Konflikts der Westmächte und der Deutschen der Bundesrepublik mit den Sowjets, bei dem die Freiheit und Sicherheit der inneren Entwicklung diesseits der Systemgrenze den Vorrang hatte. Die Forderungen nach Wiedervereinigung der Deutschen in Freiheit und Grenzrevision im Osten waren die Grundlage eines Sont/erkonflikts der Bundesrepublik mit der Sowjetunion und dem Sowjetblock, in dem sie nur bedingt -und in mit der Zeit abnehmendem Maße - auf die Unterstützung der Westmächte rechnen konnte. Die Geschichte des Wandels der bundesdeutschen Ostpolitik im Laufe eines Vierteljahrhunderts ist die Geschichte der zunehmenden Erkenntnis dieses Unterschieds und der notwendigen Entschärfung des deutschen Sonderkonflikts mit dem Osten als Folge der wachsenden Eingliederung der Bundesrepublik in das Wirtschaft-