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Vorwort 1935
Vor fast genau einem Jahre schrieb ich mit einem gemischten Gefühl, in dem sich Sorge und Optimismus die Waage hielten, das Vorwort zu meinem Buch „Vom Einmaleins zum Integral". Was mir damals mein Optimismus zuflüsterte, ist überreichlich in Erfüllung gegangen. Die deutsche Ausgabe hat inzwischen die vierte Auflage (das zehnte bis vierzehnte Tausend) erreicht, und einige Übersetzungen in fremde Sprachen werden demnächst erscheinen.
Doch auch die Sorge hat mich nicht verlassen. Trotz des günstigen Votums Sachverständiger, trotz eines weiteren Jahres angestrengten Studiums, fühle ich mich heute ebensowenig als Fachmann wie vor einem Jahre. Und darum lag es mir neuerlich ob, auch diesmal nur meinErlebnis der Geometrie aufzuzeichnen, wobei ich alle Verpflichtungen eines wissenschaftlich Arbeitenden nach Kräften auf mich zu nehmen suchte, ohne dessen Berechtigungen zu beanspruchen.
In einem Punkte jedenfalls wurde ich in beispielloser Art bestätigt. In meinem Glauben nämlich, daß mein Wahlspruch, der Mensch sei im tiefsten gescheit, eine Tatsachengrundlage besitze. Ich zweifelte nie an kulturellen Möglichkeiten und überlasse es getrost gewissen „geistigen" Produzenten, ihre eigene Lüsternheit nach Talmi-Erzeugnissen mit der Lüsternheit des Publikums zu verwechseln. Ein bedeutender Mathematiker, der schon vor mehr als vierzig Jahren als Hörer des berühmten Lampe in Charlottenburg ähnliche Ansichten vertrat, schrieb mir, der Erfolg meines Buches sei ihm ein Symptom, daß die „mathematische Morgenröte" anbreche. Von allen Altersstufen und aus allen Kreisen der Bevölkerung mehrerer Länder erreichten mich ver-