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Einleitung
STENDHALS De fAmour, das seltsamste der seltsamen Bücher, die Henri Beyle geschrieben, ist eine der merkwürdigsten Erscheinungen der Weltliteratur. Es ist das erste seiner drei Bekenntnisbücher. Aber während seine Vie de Henri Brulard und seine Souvenirs d^Egotisme — beide viel später entstanden — seine innere Entwickelung und sein Verhältnis zur Welt und zur Gesellschaft beleuchten und betrachten, ist das Buch „Von der Liebe" der Versuch, sich über die gründe passion seines Lebens Rechenschaft zu geben. Beyle war zu allen Zeiten seines wechselvollen Erdenganges ein Liebender, aber nie wieder hat ihn eine so tiefe, zärtliche, melancholische Leidenschaft, eine wirkliche amour-passion — um seine eigene Bezeichnung zu nehmen — mit solcher Gewalt ergriffen und erg,reifen können wie in den Jahren 1818 bis i8ai in der ihm (vielleicht vor allem dadurch) lebenslang liebsten aller Städte, in Mailand. Er hatte ein Valmont sein wollen, und zu seiner heiligen Verwunderung ertappte er sich in der Rolle Werthers. Mehr noch, er, der seinen Freunden so gern als unbekümmertes, gegen alles gefeites Weltkind erschien, war damals sehr nahe daran, an seiner Liebe zugrunde zu gehen. Und wie Wolfgang Goethe sich aus ähnlicher Gefahr dureh seinen „ Werther " frei schrieb und gesundete, so gelang dies auch Henri Beyle auf seine Art. Er war damals noch nicht der große Erzähler, der er einige Jahre später mit seinen beiden Meisterwerken, Le Rouge et le Noir und der unvergleichlichen Chartreuse de Panne