Bővebb ismertető
Soviel ich weiß - möglicherweise irre ich mich - ist es im Westen üblich, daß jede Arbeit bezahlt wird, und kaum jemand arbeitet ohne Bezahlung. Bei uns hingegen beruht der ganze Samisdat auf nichts anderem als auf unbezahlter Arbeit.^ Menschen geben ihre Arbeitskraft, ihre Freizeit, sitzen nächtelang über einer Arbeit, die ihnen nichts anderes als Verfolgungen einbringen kann.So ist es auch bei mir. Meine Arbeit und mein Thema sind in weiten Kreisen ziemlich bekannt, sogar über Moskau hinaus, und hilfsbereite Menschen - häufig sind sie mir nicht bekannt -schicken mir (natürlich nicht per Post, da käme nichts an) verschiedene Bücher, sogar recht seltene, ihre Erinnerungen usw. Manchmal ist das sehr wertvoll, und ich karm es gut gebrauchen, manchmal ist es wertlos, aber immer rührt es mich und festigt in mir das lebendige Gefühl, daß ich für Rußland arbeite und daß Rußland mir hilft. Andererseits bitte ich selbst häufig informierte Leute, Spezialisten um Konsultationen, die manchmal sehr kompliziert sind, um eine Materialauswahl, welche Zeit und Arbeit verlangt, und nicht nur hat jemals jemand dafür eine Vergütung verlangt, sondern jeder hilft mir gern und sofort.Dabei ist das manchmal noch ziemlich gefährlich. Um mich und meine Familie herum wurde eine Art verbotenes Niemandsland geschaffen. Immer noch gibt es in Rjasan Menschen, die ohne Arbeit sind, weil sie mich vor ein paar Jahren dort besuchten.^ T. Timofejew, der Direktor eines wissenschaftlichen Instituts in Moskau und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, erzwang, kaum daß er erfuhr, daß eine bei ihm arbeitende Mathematikerin meine Frau sei, mit geradezu unanständiger Eile ihre Kündigung, ungeachtet der Tatsache, daß sie kurz vorher geboren hatte; ein solches Vorgehen widerspricht jedem Gesetz. Oder eine Familie vollzieht einen völlig gesetzlichen Wohnungstausch, bis bekannt wird, daß es sich bei dieser Familie um meine handelt. Sobald man daraufkam, wurden sofort einige Angestellte des Moskauer Stadtsowjets bestraft: wie konnten sie zulassen, daß ein Solschenizyn, wenn auch nicht er selbst, sondern sein neugeborener Sohn, im Zentrum von Moskau registriert ist?^ So kann es geschehen, daß mein Konsultant sich mit mir trifft und wir uns ein zwei Stunden unterhalten, und schon beginnt man ihm zu folgen, als wäre er ein gemeiner Verbrecher, holt Erkundigungen über ihn ein, ja es kann so weit gehen, daß man herauszufinden versucht, mit welchen Leuten er seinerseits sich trifft.