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SOLSCHENIZYN VOR DER SOWJETISCHEN KRITIK Mit dem «Fall Solschenizyn» befaßt sich die sowjetische Kritik (und befaßt sich auch die literarische Öffentlichkeit) seit dem Erscheinen des Iwan Denissowitsch: acht Jahre dauert nun die Diskussion, abgeschlossen ist sie noch immer nicht. Welchen Härtegrad der Konflikt zwischen Alexander Solschenizyn und den über ihn zu Gericht sitzenden Literaturfunktionären inzwischen erreicht hat, wie unvereinbar die ideellen und ideologischen Positionen geworden sind - das läßt sich durch die...
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SOLSCHENIZYN VOR DER SOWJETISCHEN KRITIK Mit dem «Fall Solschenizyn» befaßt sich die sowjetische Kritik (und befaßt sich auch die literarische Öffentlichkeit) seit dem Erscheinen des Iwan Denissowitsch: acht Jahre dauert nun die Diskussion, abgeschlossen ist sie noch immer nicht. Welchen Härtegrad der Konflikt zwischen Alexander Solschenizyn und den über ihn zu Gericht sitzenden Literaturfunktionären inzwischen erreicht hat, wie unvereinbar die ideellen und ideologischen Positionen geworden sind - das läßt sich durch die Gegenüberstellung zweier Zitate aufzeigen. Auf der einen Seite Solschenizyn: «Nein! Es wird nicht gelingen, die Verbrechen Stalins endlos zu verschweigen, und es wird nicht gelingen, endlos gegen die Wahrheit anzugehen. Das ist ein Verbrechen an Millionen, und diese verlangen dessen Aufdeckung. Es wäre gut zu überlegen: welchen moralischen Einfluß hat die Verschleierung dieser Verbrechen auf die Jugend, - das ist Irreführung neuer Millionen. Die Jugend wächst nicht in der Dummheit auf, sie versteht bestens: da gab es also Millionen von Verbrechen, und man schweigt darüber, alle Spuren sind verwischt. Was also wird einen jeden von uns davon abhalten, uns an weiteren Ungerechtigkeiten zu beteiligen? Auch das wird verheimlicht werden.»' Und auf der andern Seite die parteitreuen Apologeten: «DieParteilichkeit des künstlerischen Menschen ist edler, überzeugter Dienst an einer großen Sache. Und was kann es Größeres geben als die Umgestaltung des menschlichen Daseins auf unserem alten Planeten? Unsere Aufgabe besteht darin, auf unserem literarischen Marsch in die Zukunft ritterüch die Fahne der leninschen Idee und der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, welche dieser Idee lebendige Verkörperung gegeben hat, zu tragen. »^ «Ich beschreibe ja Vergangenes, Dinge, die vorbei, verflossen sind.» Mit dieser Erklärung hat Dostojewski seine schonungslose Darstellung der Katorga, die Aufzeichnungen aus dem Totenhaus, vor der zaristischen Zensur zu rechtfertigen gewußt. Weil er die Hölle in der Vergangenheit beschrieb (obwohl sie stets noch gegenwärtig war), fand man sich damit ab. «Alles, was ich hier über Bestrafungen und Hinrichtungen schreibe, habe ich damals so erlebt», merkt Dostojewski an: «Inzwischen hat sich, wie ich höre, alles geändert und ändert sich noch.» Das war 1862. Genau hundert Jahre später, 1962, konnte, mit demselben Rechtfertigungsmanöver, Solschenizyns Bericht aus dem Arbeitslager - Ein Tag im Lehen des Iwan Denissowitsch - bei

Termékadatok

Cím: Von der Verantwortung des Schriftstellers I-II [antikvár]
Szerző: Alexander Solschenizyn , L. Sobolew , Nikolaj Gribatschow , S. Michalkow Wenjamin Kawerin
Kiadó: Verlag der Arche
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 110 mm x 190 mm
Alexander Solschenizyn művei
L. Sobolew művei
Nikolaj Gribatschow művei
S. Michalkow művei
Wenjamin Kawerin művei
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