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VORWORT
Diese kleine Arbeit, die nicht als Streitschrift, sondern als Friedensschrift wirken möchte, ist aus einem Vortrage hervorgegangen, den ich im Januar dieses Jahres im Kunstverein zu Leipzig gehalten habe. Richtiger noch würde ich vielleicht sagen, jener Vortrag sei aus dieser Arbeit hervorgegangen, weil sie, von einigen späteren Zusätzen abgesehen, die ursprüngliche, fürs gesprochene Wort zu umfangreich geratene Niederschrift ist, aus der der mündliche Vortrag herausgeschält wurde. Diesen Vortrag zu halten aber war mir ein Bedürfnis.
Seit dem Erscheinen meiner Schrift „Was uns die Kunstgeschichte lehrt" (1894), die ihrerzeit nicht ganz ohne Wirkung geblieben, war die Frage nach dem Wesen und den Aufgaben der deutschen Kunst in so zahlreichen Büchern und Zeitschriften, Flugblättern und Streitschriften von so entgegengesetzten Standpunkten aus und zum Teil in so leidenschaftlichem Tone erörtert worden, daß ich mir klar darüber werden mußte, ob ich selbst noch auf dem Standpunkte jener Schrift, die die Frage in anderem Zusammenhang behandelte, stehengeblieben, oder ob ich inzwischen meinen Freunden oder meinen Gegnern von der einen oder der anderen S^ite nähergerückt sei. Gerade weil ich zu dem Ergebnis kam, daß mein damaliger Standpunkt sich nicht wesentlich verändert habe, wohl aber hier und da eine neue Begründung zulasse, fühlte ich das Bedürfnis, meine Ansichten in neuem Zusammenhange noch einmal öffentlich zu vertreten; und eben weil im mündlichen Vortrag nur etwa die Hälfte von dem gesagt werden konnte, was ich auf dem Herzen hatte, entschloß ich mich, diese ausführlichere, ursprüngliche, jedoch nachträglich noch mit einigen Zusätzen versehene Niederschrift der weiteren Oeffentlichkeit zu übergeben.
Dresden, im August 1907. K-Woermann.