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Vorwort
Die bisherigen historischen Werke über die zweite russische Revolution, die Übergangsperiode von der Zarenmonarchie zum Sowjetstaat, sind entweder unvollständig — weU bei ihrem Erscheinen das Dokumentenmaterial noch nicht ausreichte — oder ausgesprochen parteipolitisch-tendenziös. Um die bestehende Lücke nach Möglichkeit auszufüllen, bin ich, da jetzt die Voraussetzungen für eine abschließende historische Darstellung gegeben sind, der Aufforderung des Amalthea-Verlages nachgekommen, eine Geschichte der zweiten russischen Revolution zu schreiben.
Noch vor einem Menschenalter wäre es kaum möglich gewesen, bei so geringer Distanz ein getreues Bild eines großen historischen Ereignisses zu zeichnen und die inneren Zusammenhänge aufzudecken. Heute liegen die Dinge anders. Über die zweite russische Revolution, die eine abgeschlossene Epoche ist, sind nicht nur größere Monographien, nicht nur Erinnerungen führender Persönlichkeiten aus den verschiedenen politischen Lagern erschienen, es ist der Öffentlichkeit auch soviel anderes dokumentarisches Material, darunter geheime Dokumente, zugänglich gemacht worden, daß alle Bedingungen für eine kritische historische Würdigung gegeben sind. Selbstverständlich werden im Laufe der Zeit noch manche interessante und durchaus wesentliche Eiazelheiten bekannt werden, aber sie werden an dem gesamten Bilde der Entwicklung und an ihrer Beurteilung nichts mehr ändern können.
Die Wahrung der Objektivität ist die zweite grundlegende Voraussetzung für eine historische Schilderung. Den Werken der aktiven Teilnehmer der Ereignisse, der bedeutenden politischen Persönlichkeiten, die an einer tendenziösen Darstellung geradezu interessiert sind, kann nicht das Recht zugebilligt werden, als objektive Geschichtsschreibung zu gelten. Lediglich Augenzeuge der großen Ereignisse, bin ich an eine politische Tendenz nicht gebunden. Ich konnte deshalb an das Studium der Urkunden ohne Voreingenommenheit herantreten. Daraus folgt aber nicht, daß in diesem Buche auf eine Stellungnahme verzichtet wird; das Gegenteil ist der Fall. Aber diese Stellungnahme ergibt sich nicht aus einer einseitigen politischen Bin-