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Andrea Czére - Von Leonardo bis Chagall [antikvár]
 
Die Entstehung der Graphischen Sammlung des Museums der Bildenden Künste Das Budapester Museum der Bildenden Künste, die größte öffentliche Sammlung der bildenden Künste in Ungarn, wurde 1906 eröffnet und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer bedeutenden und vielseitigen künstlerischen Institution in Europa.' In seinem Bestand sind mit Ausnahme des Kunstgewerbes und der ungarischen Kunstwerke, die seit 1957 in der Ungarischen Nationalgalerie aufbewahrt werden, alle wichtigen Arten und Epochen der Kunst vom Altertum...
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Die Entstehung der Graphischen Sammlung des Museums der Bildenden Künste Das Budapester Museum der Bildenden Künste, die größte öffentliche Sammlung der bildenden Künste in Ungarn, wurde 1906 eröffnet und entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer bedeutenden und vielseitigen künstlerischen Institution in Europa.' In seinem Bestand sind mit Ausnahme des Kunstgewerbes und der ungarischen Kunstwerke, die seit 1957 in der Ungarischen Nationalgalerie aufbewahrt werden, alle wichtigen Arten und Epochen der Kunst vom Altertum bis in die Gegenwart vertreten. Unter den Sammlungen des Museums der Bildenden Künste ragt die Graphische Sammlung nicht nur wegen ihres zahlenmäßigen Reichtums, sondern auch wegen des hohen künstlerischen Wertes der Zeichnungen und graphischen Blätter heraus.^ In dem mehr als 90 000 Blätter umfassenden Bestand an Graphiken sind wertvolle Einzelblätter beziehungsweise geschlossene Folgen aller hervorragenden Graphiker einer jeden bedeutenden Schule zu finden. In der fast 8000 Blätter zählenden Sammlung der Zeichnungen repräsentieren zahlreiche Werke hoher Qualität - von den Miniaturen des 14. Jahrhunderts bis zu Schöpfungen der Gegenwart - die italienische, niederländische und deutsche Zeichenkunst; von guter Qualität, doch zahlenmäßig geringer sind die Blätter, welche die französische und englische Zeichenkunst vorstellen, und nur ganz wenige Werke vertreten die Kunst anderer Länder. Der größte Teil der Zeichnungen stammt aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, weniger umfangreich ist der Bestand der frühen Epochen und des 20. Jahrhunderts. Den Kern der beiden wichtigsten Sammlungen des Museums der Bildenden Künste, der Bildergalerie und der Zeichnungen und Graphiken, bildet die Sammlung Esterházy.^ Im Unterschied zu den großen europäischen Museen sind die ungarischen öffentlichen Kunstsammlungen nicht aus königlichen Sammlungen hervorgegangen. Das Wirken des Königs Matthias Corvinus (1443-1490), der sich als großzügiger Kunstmäzen und Kunstsammler auszeichnete," fand im 16. Jahrhundert keine Fortsetzung, da die historischen Ereignisse dem entgegenstanden. Das Land zerfiel nach 1541 in drei Teile: in den unter türkischer Besetzung stehenden südlichen, den von den Habsburgern beherrschten westlichen und den relativ unabhängigen östlichen Teil Siebenbürgen. In dieser historischen Krisensituation - während der 150 Jahre dauernden Türkenherrschaft und in den gegen die Habsburger geführten Unabhängigkeitskriegen - konnte sich auch die Sammelleidenschaft der Adligen nicht in entsprechendem Maße entfalten. Um so weniger, als die Habsburger vor keinem Mittel zurückschreckten, wenn es galt, Sammlungen der ungarischen Magnaten zu beschlagnahmen. Die Kunstschätze der Familien Báthory, Nádasdy, Zrínyi und Rákóczi gelangten infolge von Hochverratsprozessen und Vermögenskonfiszierung in die Wiener Kaiserliche Sammlung.^ Die ungarischen öffentlichen Sammlungen - so auch das Museum der Bildenden Künste -gingen aus den Beständen der Sammlungen des Hochadels und der hohen Kleriker hervor, die Ende des 18. und im Laufe des 19. Jahrhunderts aufgebaut worden waren. Die treu zu den Habsburgern stehende Familie Esterházy, deren Ländereien größtenteils in Westungarn lagen, stieg im 17. Jahrhundert in die Reihe der angesehensten und auch im öffentlichen Leben eine wichtige Rolle spielenden Familien auf. Es gehörten ihr ausgezeichnete Diplomaten, Palatine und Offiziere an, die schon seit dem 17. Jahrhundert ein gewisses Mäzenatentum bewiesen, vor allem beim Bau von Burgen und Schlössern und bei der Anlage von Kunstsammlungen. Das Sammeln von Kunstwerken begann Miklós (Nikolaus) Esterhá- 1. Bolognesischer Meister um 1400 Szene aus einer Rittergeschichte Feder. Pinsel in Braun und Deckweiß auf dunlielgrün grundiertem Papier, 148 x 182 mm. Auf der Rückseite die Inschrift: Glockenthon N 36, N" 3 Sammlung: Praun. Esterházy (Lugt 1965). Inv.-Nr.: 1778 Literatur: Fenyö 1965, Nr. 1. - Kat. Venezia 1965, Nr. 1. Eine der frühesten, schönsten und problematischsten italienischen Zeichnungen unserer Sammlung, die als ein Werk des Anfang des 16. Jahrhunderts wirkenden Nürnberger Illuminators Georg Glockenthon ins Museum gelangte. Die Widersinnigkeit der überlieferten Attribution hat als erster J. Meder' erkannt, er bestimmte die Zeichnung als die Arbeit eines norditalienischen Künstlers um 1400. Die Kunstgeschichtsschreibung der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts suchte - nicht ganz ohne Grund - den Schöpfer des Bildes in der Umgebung der Künstler der internationalen Gotik am lombardischen Hofe, bis es B. Degenhart gelang, aufgrund überzeugender Analogien den Meister der Zeichnung im Kreise der zeitgenössischen bolognesischen Künstler zu entdecken.^ Nach Meinung Degen-harts sind die Budapester Zeichnung und die Fresken in der Bolognini-Kapelle der Basilika S. Petronio in Bologna (um 1410) Schöpfungen ein und desselben Künstlers. Die ziemlich engen stilistischen Zusammenhänge der beiden Werke machen die Annahme - trotz unterschiedlicher Technik und Thematik sowie unterschiedlicher Entstehungszeit - sehr wahrscheinlich. Zwar ist die Person des Freskenmalers ebenfalls umstritten, doch neigt die neuere italienische Kunstgeschichtsliteratur aufgrund sich häufender Argumente immer mehr dazu, den Standpunkt von C. Ricci zu akzeptieren, der in Giovanni da Modena den Meister der Wandbemalung der Kapelle sieht.^ Wenn sich die Quellenangabe, wonach Giovanni da Modena 1399 in Mailand weilte und auch mit dem dort wirkenden franko-flämischen Jacques Coene zusammentraf, als wahr bestätigen sollte, würden auch die zweifellos den Einfluß der Kunst des lombardischen Hofes verratenden Charakteristika der Zeichnung eine eindeutige Erklärung erhalten. Die Interpretation der Darstellung der Budapester Zeichnung ist bis heute nicht gelöst. Offenkundig scheint nur so viel, daß wir in einer kahlen, felsigen Landschaft Zeugen einer unerwarteten Begegnung von fünf Gestalten sein können. Die Darstellung wurde, da der Waffenträger einen Hund führt, im allgemeinen als Jagdszene interpretiert, obwohl nach den Illustrationen eines zeitgenössischen Jagdhandbuches die Akteure in einem solchen Fall seitlich auch ein Jagdhorn tragen müßten." Pietro Toesca hat als erster die Möglichkeit in Erwägung gezogen, daß es sich bei unserer Zeichnung vielleicht um eine Episode aus der zeitgenössischen Ritterromanliteratur handeln könnte.® Von dieser Thematik sind uns auch zwei reich illustrierte lombardische Handschriften vom Ende des 14. Jahrhunderts überliefert.'' Zu finden war jene Literatur auch in Bologna.' So könnte es uns gelingen, den Schlüssel zur Interpretation der Szene in diesem geistigen Umfeld aufzufinden. Die Zeichnung ist eine sorgfältig ausgearbeitete Grisaille-Komposition: Der Grad ihrer Vollendung veranlaßte einzelne Forscher dazu, sie für eine ausgeschnittene Kodexillustration zu halten. Miniaturen solcher Quahtät waren damals aber nur in Pergamentkodizes zu finden, während unsere Zeichnung auf einem mit grüner Kreide grundierten Papier mit Feder und Pinsel ausgeführt ist. Diese Technik ist nach Aussage von Cennini® das seit dem 14. Jahrhundert von den toskanischen Freskenmalern am häufigsten verwendete Verfahren in der endgültigen Phase der Vorbereitung der Freskenkomposition, bei dem auch schon die Licht-Schatten-Wirkungen ausgearbeitet sind. Im Hinblick auf die Darstellungstechnik folgt unsere Zeichnung getreu den Trecento-Traditionen, und wenn sie tatsächlich ein Werk von Giovanni da Modena ist, dann dürfte es sich um eine der frühesten, und überlieferten Arbeiten des Malers handeln. ' Schönbrunner - Meder, Nr. 751. ^ Degenhart. B. : Italienische Zeichnungen des frühen 15. Jahrhunderts. Basel 1949. 30. Abb. 4. - Die Wahrscheinlichkeit der Einordnung in die künstlerische Umwelt von Bologna wird auch durch den jüngst entdeckten Fakt untermauert, daß die Zeichnung aus der Sammlung Praun stammt. Für die Information möchte ich Katrin Achilles an dieser Stelle Dank sagen. ^ Vgl. : Dizionario Enciclopédico Bolafß dei pittori e degli incisori italiani. VI. Torino 1974. 59-60. " Gaston Phébus: Livre de la Chasse. Paris. Bibliotheque Nationale, ms. fr. 616. - Reproduktionen In : Couderc, C. : Livre de la Chasse par Gaston Phébus. Paris o. J. 34, Abb. 36-39. ' Toesca, P. : La pittura e la miniatura nella Lottihardia. Milano 1912. 452. ^ Giron le Courtois, Paris. Bibliotheque Nationale, ms. fr. Nouv. Acq. 5243 und Lancelot du Lac, ebd. ms. fr. 343. - Vgl. : Arte lombarda dai Visconti agli Sforza. Palazzo Reale. Milano 1958. Nr. 69 u. 72. ' Europäische Kunst um 1400. Kunsthistorisches Museum. Wien 1962. 56. ¦ n libro dell'arte. cap. 15. - Vgl. : Degenhart. B. : Corpus der italienischen Zeichnungen. Berlin 1968. 1. XLI. 16

Termékadatok

Cím: Von Leonardo bis Chagall [antikvár]
Szerző: Andrea Czére , Bodnár Szilvia , Czére Andrea , Gerszi Teréz , Szilvia Bodnár Teréz Gerszi
Kiadó: Corvina
Kötés: Vászon
ISBN: 9631327426
Méret: 240 mm x 310 mm
Andrea Czére művei
Bodnár Szilvia művei
Czére Andrea művei
Gerszi Teréz művei
Szilvia Bodnár művei
Teréz Gerszi művei
Bolti készlet  
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