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V ouuoivrReisen! - Es ist wohl die schönste und unschuldigste allerLeidenschaften, die Reiselust, notierte der österreichischeDichter Moritz Hartmann .1 851 in seinem Südfrankreich-Tagebuch. Das dumpfe Tuten der Dampfersirene, derschrille Pfiff der Lokomotive, der letzte Aufruf auf demFlugplatz - wer verbindet mit ihnen nicht Welt und Weite,ferne Länder und fremde Menschen, Abenteuer und Erleb-nisse? Sie üben eine ganz besondere Anziehungskraft aus,wecken Assoziationen, Ferienvorahnung, hoffnungsvolleErwartungen, die Erfüllung einer uralten Sehnsucht desMenschen.Alle Welt reist. Immer und überall wird gereist. Einsteinmaliges und wichtiges Ereignis im Leben des Menschenist es heute zur Gewohnheit geworden und Teil des Lebens-ablaufes. Das Reisen ist nicht nur eine Angelegenheit desUrlaubes und der Ferien, immerfort streben die Menschenirgendwohin. In allen Jahreszeiten, das ganze Jahr hin-durch wird gereist. Es sind Geschäfts- und Dienstreisen,Fahrten zu kulturellen und sportlichen Veranstaltungenoder zu Familienereignissen, Erholungs- und Urlaubsrei-sen. Studienreisen -vielfältige Reiseziele und Anlässe. Unddoch gibt es sie kaum noch: die großen Reisenden. Einstreiste man um des Reisens willen, überquerte Länder,Berge, Wüsten und Meere mit keinem anderen Ziel als demzu reisen und erlebte dabei fremde Landschaften, OrteMenschen, Sitten und Bräuche. Der Araber Ibn Battutabrauchte für seine Reise nach Indien und China samt Auf-enthalt noch 24 Jahre. Reisen war ein Teil der Bildung,das Wort Erfahren kommt von Fahren. Man wollte dieWelt im doppelten Sinne des Wortes er-fahren, wolltereisen ohne anzukommen. Die Sehnsucht nach der Ferneund der Drang, das Unbekannte kennenzulernen, führtenzu immer größeren Reisen und zu dickbändigen Reyß-büchern, Landkarten und Ansichten, insbesondere aberzu den zahllosen Reiseerinnerungen von Schriftstellern,Künstlern, Forschern, gelehrten Vielschreibern und Aller-weltsreisenden, von denen uns manche heute noch auf eineReise begleiten können. Die Berichte von Reisen sind soalt wie die Literatur selbst, einer erzählt von der Reise -und viele reisen mit!Verschieden und vielfältig waren die Motive, die denMenschen trotz aller Gefahren und Beschwernisse zum Rei-sen veranlaßten, und sie wechselten im Wandel der Jahr-hunderte: Neugier nach der engeren und weiteren Umge-bung und ihre Erkundung, Erkenntnisdrang und Strebennach Erweiterung des Weltbildes sowie Lust am Abenteuertrafen sich mit Freiheitsdurst und Fernweh, dem Wunschnach Orts Veränderung, Aufbruch aus der Seßhaftigkeit,dem Alltag mit seinen Gewohnheiten, und der Flucht ausdem Gebundensein, dem Rebellieren gegen Enge undDumpfheit, verstaubte Traditionen und überholte gesell-schaftliche Zustände, dem Reisen als Suche nach der ge-wünschten Ordnung, nach Gemeinschaft und Freundschaft.Zwecke des Erwerbes und Gewinnstrebens, der Unterhal-tung und Vergnügung, der Heilung von Krankheiten undLeiden standen neben Erholung und Entspannung. Reisenwar Leben, war Besitznahme und Bereicherung, galt alsBuch der Bücher und verjüngender Medeatrunk. Werglücklich heimkehrte, war als welterfahrener und wohl-gebildeter Mann überall willkommen. Die Reisendenbrachten Anregungen sowie neue befruchtende Ideen mitund weckten Weltoffenheit. Impulse gingen von fremdenKontinenten aus, das Reisen baute gegenseitige Hinder-nisse und Vorurteile ab und machte Menschen und Völkermiteinander bekannt. Es ließ die Welt durchschaubar wer-den und menschlich.Heute sind sehr viele unterwegs, per Flugzeug, Expreßoder auf der Autobahn. Die Menschen waren noch nie sobeweglich, doch verschiedene Erscheinungen modernenReisens zeichneten sich schon in früheren Zeiten ab. DieGeschichte des Wanderns und Reisens erstreckt sich überJahrtausende, von den ältesten und allgemeinsten Äuße-rungen menschlichen Lebens, den Zügen der Sammler undJäger, der ersten Händler über Einrichtungen des Frem-