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VORWORT
Während meiner langen schriftstellerischen Laufbahn habe idi oft über Dinge geschrieben, die noch von niemandem oder nur von wenigen, kaum bekannten Autoren behandelt worden waren. Diesmal aber ist es anders: Es gibt nur wenige Themen, über die so viele Dichter, Schriftsteller und Philosophen nachgedacht haben, wie gerade die Freundschaft. Schon Homer spricht in seiner Odyssee darüber; Aristoteles, Cicero, Seneca, Horaz, Ovid und viele andere berühmte Autoren des griechisch-römischen Altertums haben ihr ganze Werke oder doch bedeutende Teile des einen oder anderen ihrer Bücher gewidmet. Durch Plate und Xenophon wissen wir, daß Sokrates sich des öfteren mit seinen Schülern über die Freundschaft unterhielt. Auch die christlichen Autoren des Altertums und des Mittelalters verschmähten dieses Thema nicht. In der Neuzeit haben Montaigne, Shakespeare und unzählige andere in das Lob der Freundschaft eingestimmt, während auf der anderen Seite Nietzsche, Schopenhauer und ihre Nachfolger sogar die bloße Möglichkeit der Freundschaft in Zweifel gezogen haben.
Jedoch verstehen nicht alle diese Autoren unter dem Begriff „Freundschaft" dieselbe psychische und gefühlsmäßige Realität. Für die Anhänger der sokratischen Tradition bedeutet Freundschaft vor allem eine intensive geistige Gemeinschaft, während es sidi für die meisten christlichen Autoren um die Gemeinsdiaft in Gott handelt.