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MOZARTS PERSÖNLICHKEIT „Wer den Dichter will verstehen, mufi in Dichters Lande gehen." Dieser Satz Goethes trifft, wie für jedes schöpferische Genie, so auch für Mozart zu. Nur seine eigenen Áufierungen vermögen uns von dem innersten Kern seines Wesens Kundé zu geben. Wohl steht uns eine ganze Menge von zeitgenössischen Zeugnissen und Beobachtungen über seine Persönlichkeit zur Verfügung, Gutes und Schlechtes in buntem Gemisch1, und vieles davon wird bei entsprechender Nachprüfung dem Biographen wertvolle Dienste leisten. Er lernt daraus den Eindruck kennen, den diese aufiergewöhnliche Erscheinung auf die gewöhnliche Menschheit machte, und die Reibungen, denen sie mit der gemeinen Wirklichkeit ausgesetzt war. Aber primáre Quellen sind sie nicht. Sie sind gemeinhin für die Persönlichkeit ihrer Urheber weit bezeichnender als für die Mozartsche, denn sie neigen stets dazu, in sein Bild allerhand Züge hineinzutragen, die die Betreflenden selbst zu habén glaubten oder doch wenigstens wünschten, und es dadurch mehr oder minder zu entstellen. Auch den von ihnen gelegentlich mitgeteilten „authentischen" Aussprüchen Mozarts gegenüber ist áufierste Vorsicht geboten. Wessen die Phantasie begeisterter Jünger nach dieser Richtung hin fáhig ist, wissen wir ja auch aus neuerer Zeit zur Genüge. Aber auch die primáren Quellen, Briefe und Werke, sind nicht gleichwertig. Jene sind, zumal bei dem impressionistischen Wesen, das den meisten von ihnen anhaftet, gewift Zeugnisse ersten Ranges, und es gibt selbst unter den ganz flüchtig hingeworfenen nur wenige, in denen nicht irgendein Stück Mozartscher Eigenart steckte. Aber sie sind doch nur »sub specie momenti« oeschrieben und aufierdem stets mehr oder minder durch die Persönlicho keiten der Empfánger bestimmt; sein Innerstes hat ihnen Mozart nur sehr selten anvertraut. So bedürfen auch sie der Kritik und der Ergánzung durch die Werke. Nur diese offenbaren uns, was Mozart wirklich war, sein innerstes, autonomes Wesen, ohne jede Trübung durch áufíere, zufállige Umstánde und Einwirkungen. Nicht als wáre der Mozart der zeitgenössischen O ö Berichte und der Briefe grundsátzlich ein anderer gewesen als der der Werke. lm Gegenteil, es sind dieselben Kráfte, die sein áufíeres Leben und sein 1 Zusammengestellt bei A. Leitzmann, Mozarts Persönlichkeit, Leipzig 1914.