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ZUR EINFÜHRUNG Noch eine Wagnerbiographie, wozu?" wird kopfschüttelnd der Wagnerianer" fragen; er glaubt nicht, daB bei dem geradezu beángstigenden Umfang, den die Wagnerliteratur wáhrend des letzten Jahrzehnts angenommen hat, hierfür noch Raum oder gar ein Bedürfnis vorhanden ist. GewiB, die Zahl der über Wagner geschriebenen Bücher ist Légion, sind aber deswegen die schwierigen Probleme, die gerade die Lebensgeschichte dieses Titánén aufzurollen zwingt, auch wirklich ein für allemal einwandfrei klargestellt? Greifen wir aus der groBen Zahl beispielsweise eines der bekanntesten: den Fali WagnerNietzsche heraus, was finden wir hierüber in der offiziellen", von Bayreuth als der einzigen, für authentisch anerkannten Wagnerbiographie (die im übrigen als Materialsammlung - aber nur als solche! - grundlegend für alle spáteren sein muB)?: Wáhrend Nietzsche der Reichste zu sein schien, der Befáhigteste im Dienst eines groBen deutschen Genius, war er innerlich verarmt und leer; er hatte sich der erneuten Anregung in ángstlicher Scheu geflissentlich entzogen und war damit aus einem Wagnerschriftsteller" im besten Sinne und Mitwirkenden an einer schöpferischen Kulturtat ein hohler Schall und ein hochtrabendes leeres Nichts, mit einem Worte, ein - Nietzscheschriftsteller" geworden, der von jetzt ab, anstatt der höchsten, die minderwertigsten Einflüsse auf sich wirken lieB, deren Nichtigkeit er selber durchschaute." Mit solch tiefgründiger Untersuchung und áhnlichen Redensarten wird diese wohl zu den ergreifendsten záhlende Freundschaftstragödie abgetan. Dagegen wird gewissenhaft berichtet, daB Wagner einmal von Herrn Nettke, Wien, Nibelungenstr. 10 (sogar StraBe und Hausnummer sind nicht vergessen!), eine Sendung auserwáhlter Havannazigarren zuteil wurde". Hiermit sind wir bereits an dem springenden Punkt der ganzen Frage angelangt. Man hat sich daran gewöhnt, gewissen Parolen folgend, Wagners Leben so darzustellen, wie es hátte sein können, nicht aber wie es war, es nicht aus den Charakteren der in Betracht kommenden Personen, aus den da maiigen Umstánden zu entwickeln und zu erkláren, sondern aus einer heute gewünschten Beleuchtung. Die Wagnerbiographien habén uns einen Ideal-Wagner, keinen Menschen aus Fleisch und Blut dargestellt. Gerade eine so heiBblütige Künstlernatur, wie Wagner, erschlieBt sich erst restlos aus der Kenntnis des Menschen. Wohl selten ist das Schaffen eines Genies so eng aus eigenstem Leiden und Sehnen hervorgegangen wie bei Wagner, und vieles, was ihm,