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Die Meistersinger von Nürnberg oder Die Geburt der musikalischen Komödie aus dem Geiste Shakespeares
Yvonne Nilges
Uber Shakespeare [ ] musste ich wieder lange lachen, was mich denn auf mein Lieblingsthema, den Umgang mit den Grossen brachte, der uns schließlich doch immer wieder am Besten über die Welt hinweghilft. Dieses wunderbare witzige Lächeln am Shakespeare! [ ] Es ist wirklich das Höchste, wozu der Mensch [ ] sich aufschwingen kann [.] (Richard Wagner an Mathilde Wesendonck, 21. Juni 1859)»
Ein Komödiant könnt' einen Wagner lehren; - ja, wenn der Wagner ein Komödiant ist. Wie das denn wohl zu Zeiten kommen mag und wie empfänglich Wagner sich zeitlebens für das Komische gezeigt hat, ist in der Forschung bislang leider viel zu wenig wahrgenommen worden. Gerade das naheliegendste und mit Sicherheit ausgereifteste Beispiel für das Komische in Wagners Werken: sein musikalisches Meistersinger-Lustspiel blickt zurück auf eine kontroverse, zeitweilig beklemmende Rezeptionsgeschichte, in deren Verlauf ein „wunderbares witziges Lächeln" wie „am Shakespeare" sich kaum je einzustellen vermochte. Dabei war der Komödiant, der Wagner die Konzeption des „heiteren Satyrspiels" zum Tannhäuser in wesentlichen Teilen mitgelehrt hat - dies tritt in den einzelnen Entwurf Stadien der Meistersinger zunehmend deutlicher zutage -, eben jener einzig wahre „Geistes-Freund", wie Wagner ihn im Alter gern bezeichnete: Shakespeare, der Komödiendichter, hier namentlich der Poet des Sommernachtstraums, dessen höchstes und schönstes Wirken aus Wagners Sicht in der Verbreitung theatraler Heiterkeit bestand.2
Bevor wir uns den Meistersingern als Wagners eigenem Sommernachtstraum zuwenden, sollen zunächst die dorthin führenden (musik-)
1 Sämtliche Briefe, hg. im Auftrage der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth von Martin Dürrer, Bd. 11, Wiesbaden/Leipzig/Paris 1999, S. 138.
2 Cosima Wagner: Die Tagebücher, hg. von Martin Gregor-Dellin und Dietrich Mack, 2 Bde., München/Zürich 1976/1977 [im folgenden: CT], 27. Mai 1882.