Bővebb ismertető
Der Kabbaiist vom East Broadway Wie es in New York so oft geschieht, hatte sich die Gegend verändert. Aus den Synagogen waren Kirchen geworden, aus den Jeschiwas Restaurants oder Garagen. Hier und da konnte man noch ein jüdisches Altersheim finden, einen Laden, der hebräische Bücher verkaufte, und als Treffpunkt für die >Landsleit< aus Dörfern in Rumänien oder Ungarn diente. Ich mußte mehrmals in der Woche in diese Gegend, weil die jiddische Zeitung, für die ich schrieb, dort noch immer ihre Redaktion hatte. In der Cafeteria an der Ecke konnte man früher jiddische Schriftsteller, Journalisten, Lehrer, Geldsammler für Israel und dergleichen Leute treffen. Damals gab es auch noch die vertrauten Gerichte: Blintzes, Borscht, Kräppelach, Leberhäckerle, Reispudding und Eierküchelach. Jetzt kamen dort hauptsächlich Neger und Puertoricaner hin. Die Stimmen waren anders, die Gerüche waren anders. Trotzdem ging ich noch immer gelegentlich in diese Cafeteria, zu einem schnellen Imbiß oder um eine Tasse Kaffee zu trinken. Jedesmal, wenn ich sie betrat, sah ich auf den ersten Blick einen Mann, ich will ihn Joel Jabloner nennen, einen alten jiddischen Schriftsteller, dessen Spezialität die Kabbala war. Er hatte Bücher veröffentlicht über den heiligen Isaak Luria, über Rabbi Moses Cordovero, den Baalschem und Rabbi Nachman aus Braclaw. Jabloner hatte einen Teil des >Sohar< ins Jiddische übersetzt. Er schrieb auch Hebräisch. Nach meiner Berechnung mußte er Anfang siebzig sein. Joel Jabloner, groß, mager, mit gelblichem, runzeligem Gesicht, hatte einen glänzenden, völlig kahlen Schädel, eine scharfe Nase, eingefallene Wangen, eine Kehle mit auffallendem Adamsapfel. Seine hervorstehenden Augen waren bernsteinfarben. Er trug einen