Bővebb ismertető
D
a nun das ganze Aegyptenland auch Hunger litt, schrie das Vollt zu Pharao um Brod, Aber Pharao sprach zu allen Aegyptern: Gehet hin zu Joseph, was euch der saget, das thut," heißt es gegen Ende des Abschnitts der biblischen Josephsgeschichte, in dem Joseph durch die Auslegung der Träume des Pharao zu fürstlicher Würde erhoben wird. Ins (Wand-)Bild gesetzt wurde Josephs Traumdeutung 1816/17 Peter Cornelius (1783-IS67) in Rom (Tafel i). In den Jahren nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongreß barg dieser alttestamentarische Hintergrund, eben die Josephsgeschichte, für die Zeitgenossen eine Aktualität, deren zeitgeschichtliche wie auch künstlerische Sinnfälligkeit nachfolgenden Zeiten nicht immer verständlich blieb. Von kunsthistorischer Bedeutung erwies sich dabei die Tatsache, daß in Rom eine Gruppe deutscher Maler ein in Vergessenheit geratenes Bildmedium, die Freskomalerei, für sich wiederentdeckt und diesem eine neue Bildform zugrundegelegt hatte - eine Künstlergruppe, die für sich in Anspruch nahm, den Beginn einer neuen deutschen Nationalkunst zu befördern. Was mochte sich dazu besser eignen als die Technik der Wandmalerei, die schon im Altertum in hohem Ansehen gestanden und deren „Ewigkeitswert" sich erst Jahrzehnte zuvor besonders augenfällig bestätigt hatte, als man in Pompeji und Herkulaneum auf antike Fresken gestoßen war? Die vier Maler, die gemeinsam die Fresken zur Josephsgeschichte ausführten - neben Peter Cornelius waren Johann Friedrich Overbeck (1789-1869), Wilhelm Schadow (1788-1862) und Philip Veit (1793-1877) daran beteihgt- gehörten zu den „Nazarenern", einem Künsderkreis, der wesendichen Anteil an der Herausbildung eines neuen künsderischen Selbstverständnisses am Beginn des 19.Jahrhunderts hatte. „Nazarener", ursprünglich ein Spottname für diese Maler, heißt soviel wie „christusähnlich" und unterstreicht das religiöse Programm, mit dem sie eine Erneuerung der Kunst anstrebten. In bewußter Abkehr vom Akademismus der Zeit suchten sie in der Hinwendung zu strenger, sittlich-religiöser Lebensführung eine neue, ihnen gemäße Form des gemeinschaftlichen Kunstschaffens zu entwickeln. Daß sie in ihrem Sendungsbewußtsein dabei auf ein nach öffentlicher Wirkung strebendes Bildmedium zurückgriffen, eben auf das Fresko, und in dieser Technik zu monumentalen Ausdrucksformen fanden, erschien nur folgerichtig: „Das, was ich", schrieb Peter Cornelius 1814 an den Publizisten Josef Görres, „meiner innersten Überzeugung gemäß für das kräftigste und ich möchte sagen unfehlbare
Mittel halte, der deutschen Kunst ein Fundament zu einer neuen, dem großen Zeitalter und dem Geist der Nation angemessenen Richtung zu geben: dieses wäre nichts anderes als die Wiedereinführung der Frescomalerei, wie sie zu Zeiten des großen Giotto bis auf den göttlichen Raphael in Italien war." Doch mag es wie eine Ironie der Kunstgeschichte anmuten, daß diese ersten monumentalkünstlerischen Arbeiten in einem nur 25 Quadratmeter großen Wohnraum einer römischen Mietsvilla - des Palazzo Zuccari, Casa Bartholdy genannt - entstanden. „Als ich hierher kam", erfahren wir vom Auftraggeber, dem preußischen Generalkonsul Jakob Salomon Bartholdy (1779-1825), „fand ich viele deutsche und preußische Künstler von verschiedenen Anlagen und Talenten, jedoch ohne Gelegenheit, sie auszuüben Mich jammerte dieser Zustand, indem ich zugleich die Hilflosigkeit und Unbehilflichkeit dieser Leute einsah. Auf offiziellem Wege war nichts zu tun, mein Einfluß, etwas der Art zu bewirken, unzureichend. Auch hätte ich nicht gewußt, was zu fordern und wie mich bei der Barbarei, die für die Künste zu Berlin herrscht, verständlich zu machen Die Frescomalerei war deshalb der beste Auftrag, alle Zwecke zu vereinen: i. ein bleibendes Denkmal der Arbeit, wenn sie geriete, und zwar in Rom, dem Mittelpunkt der Künstlerwelt 2. das Mittel für die Künstler, sich selbst kennenzulernen, und zwar in einem Genre von Arbeit, die eine gewisse Schnelligkeit erfordert und nicht ewiges Retouchieren in Denken und Grübeln zuläßt, 3. Größe der Figuren und Gemälde, die Fehler und Schönheiten aufdeckt, 4. Zusammenarbeit von mehreren jungen Künstlern, wo einer bei dem andern wenigstens keine ganz palpablen Schnitzer durchlassen wird und die Emulation sie anspornt, 5. endlich Brot, um ein Jahr lang ihrem Fach zu leben " Die soziale Situation der Künstler (nicht nur) in Rom war allerdings beklagenswert: Den meisten mangelte es an konkreten Aufträgen und damit an Verdienstmöglichkeiten, seit sie, größtenteils nicht mehr in einem fürstlichen Abhängigkeitsverhältnis, für den freien „Kunstmarkt" arbeiteten, d. h. ihre „Produkte" einer sich immer stärker differenzierenden, anonymen Käuferschicht anboten. Wenn nun in dieser Situation die „Nazarener" gerade in der Wandmalerei eine ideale Möglichkeit der künsderischen Selbstverwirklichung sahen, die ihnen auch die ersehnte große Aufgabenstellung im Rahmen einer neuen deutschen Nationalkunst bieten sollte, so ist dies wiederum im Zusammenhang mit der Interpretation von Josephs Traumdeutung zu sehen, die in den Worten des Pharaos gipfelt: „ deinem Worte